Nicht ästhetisch, aber dienlich
Von Laura Kessler
Stefan Rickenbacher zückt sein Smartphone. «Hier drin hat in kurzer Zeit die grösste Entwicklung stattgefunden», sagt der Kriminaltechniker der Kantonspolizei Graubünden und klopft auf das Case des Handys. Er muss es wissen. Er, der schon seit 30 Jahren Polizist ist und viele Jahre Erfahrung in der Kriminaltechnik und Spurensicherung mitbringt. Er, der viel zu erzählen weiss über ein spezifisches Thema: die Bedeutung der Fotografie in der Polizeiarbeit.
Um mehr zu erfahren, trifft sich die Redaktion mit Stefan Rickenbacher und Roman Rüegg von der Abteilung Kommunikation und Prävention im Polizeimuseum der Kapo Graubünden an der Comercialstrasse in Chur. Ein Einblick in Vergangenes und Gegenwärtiges, denn: «Der Grundsatz und die Zielsetzung sind damals und heute dieselben. Fotos dienen der Dokumentation und müssen dem Richter oder der Richterin dienliche Informationen liefern», so Roman Rüegg. Der Weg zum Ziel, zum fertigen Foto, hat sich jedoch stark gewandelt.
Die Kantonspolizei Graubünden schreibt das Jahr 1920, als der erste Fotoapparat angeschafft wird. Keine Tatortkamera, vielmehr eine für erkennungsdienstliche Fotos. Eine klobige Apparatur, die fest installiert war, um Täterbilder aufzunehmen. Im Polizeimuseum sind einige davon ausgestellt. Verbrecherfotos, wie man sie aus dem Film kennt. Porträtaufnahmen von vorne und im Profil. Damals eine neue Möglichkeit der Dokumentation. Die Fotografie als Teil eines Falls, eines Puzzles, das Stück um Stück zusammengesetzt wird.
Der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten, es werden die ersten mobilen Kameras eingeführt. Stefan Rickenbacher zeigt auf zwei Mittelformatkameras, die in einer Vitrine ausgestellt sind. Sie waren ab den 1960er- bis in die 1990er-Jahre im Einsatz. Damit hätten sie beide noch fotografiert, sagt er schmunzelnd und schaut zu Roman Rüegg. Auch er lächelt. Ein bisschen Nostalgie schwingt mit und die beiden Polizisten erinnern sich. «Man musste etwas von Fotografie verstehen, um diese Kameras zu bedienen», betont der Kriminaltechniker Rickenbacher. Von Blendeneinstellungen und Belichtungszeiten. Ansonsten konnte es vorkommen, dass keine brauchbaren Bilder entstanden. «Zudem hatte man im Vergleich zu heute wenige Aufnahmen zur Verfügung, um einen ganzen Tatort zu dokumentieren. Man musste sich vor Ort Gedanken machen, welche Motive abgelichtet werden müssen und welche nicht», so Stefan Rickenbacher. Heute ist das bekanntlich anders.