Die einstigen Serienmeister hinken hinterher
Sie machten 15 der letzten 16 Meistertitel unter sich aus. Nun drohen Basel und die Young Boys den Europacup zu verpassen. Die Hoffnungen des Meisters und der Berner ruhen auf auf St. Gallen.
«Irgendeinisch fingt ds Glück eim»: Kuno Lauener von der Berner Mundart-Rockband Züri West wusste es schon immer. Und er lieferte mit seinem Song so etwas wie die inoffizielle Meisterhymne der Berner Young Boys, die sich am 28. April 2018 den Meistertitel sicherten, nach 32 langen Jahren des Wartens. Diese Woche jährte sich das Ereignis, an das sich jeder YB-Fan gerne zurückerinnert. Der Klub liess es sich nicht nehmen, auf seiner Website die denkwürdigen Momente jener Nacht nochmals Revue passieren zu lassen. Untermalt mit eben jenem Musiktitel ist das Meistervideo zu sehen: Guillaume Hoarau, der aus elf Metern trifft; Marco Wölfli, der einen Penalty des Luzerners Waleriane Gwilia hält; Jean-Pierre Nsame, der kurz vor Schluss das 2:1 erzielt; der Schlusspfiff, nach dem im Wankdorf alle Dämme brechen.
Acht Jahre sind seit diesen Szenen vergangen. Und die Gefühlslage in der Hauptstadt könnte konträrer nicht sein. Am Sonntag verspielten die Young Boys die wohl letzte Chance auf Europa mit einer unglücklichen 1:2-Heimniederlage gegen St. Gallen. Seit der Einführung der Super League im Jahr 2003 war YB nur einmal nicht europäisch vertreten: 2013/14. Selbst die vermaledeite Vorsaison, die mit Patrick Rahmen an der Seitenlinie begann und im Engagement von Giorgio Contini endete, schlossen die Berner im 3. Rang ab. Nach zuvor sechs Meistertiteln in sieben Jahren – drei davon unter Gerardo Seoane – war jedoch bereits dieses Abschneiden zu wenig für die erfolgsverwöhnten Berner.
Miserabler Punkteschnitt unter Seoane
In der laufenden Saison geriet YB bereits wieder früh in alte Fahrwasser. Die Verantwortlichen um Chief Sports und Miteigentümer Christoph Spycher ruderten zurück – im wahrsten Sinne des Wortes. Mit Gerardo Seoane wurde jener Steuermann zurück ins Wankdorf gelotst, der den Klub zwischen 2019 und 2021 zu drei Meistertiteln führte. Doch auch unter dem Heilsbringer stellten sich nicht die gewünschten Erfolge ein – im Gegenteil: Holte Contini in seiner Amtszeit durchschnittlich immerhin 1,81 Punkte pro Meisterschaftsspiel, sank der Schnitt unter Seoane auf 1,30 Punkte. Zum Vergleich: In seinen drei Meisterjahren holte der Innerschweizer mit YB durchschnittlich 2,53 (18/19), 2,11 (19/20) und 2,33 (20/21) Punkte pro Super-League-Partie.