Die coole Socke Camille Rast – gegen alle Widerstände
Was für ein Auftritt von Camille Rast zum Abschluss der Ski-Wettkämpfe in Cortina d'Ampezzo. Ihre Slalom-Silbermedaille ist Gold wert – für die Skination Schweiz, aber auch sie selber.
Kuhglocken künden am Mittwochabend ihren grossen Auftritt an, dann steht sie da: Camille Rast, die Retterin der Frauen-Skination Schweiz. Endlich kann auch in Cortina im Schweizer Haus eine Medaille gefeiert werden. Mitten im Pulk von Fans, die sich alle auf ein Foto mit der Weltmeisterin und frisch gekürten Olympia-Zweiten freuen, bleibt eine die Ruhe selbst: Camille Rast.
Dabei hatte sie vier Stunden zuvor grösstmöglichem Druck einmal mehr wie ein grosser Champion standgehalten. Ein Teil davon war entstanden, weil die Schweizer Frauen in den Speedrennen nicht auf Touren kamen. Einen grossen Teil hatte sie selbst geschaffen: mit ihren herausragenden Resultaten im Riesenslalom und Slalom und am Ende auch, als sie sich mit ihrer harschen Kritik an der einfachen Piste in Cortina weit aus dem Fenster lehnte.
Stolz nach schwieriger Woche
Man konnte den Eindruck erhalten, die 26-jährig Walliserin hätte mit Olympia bereits abgeschlossen, keinen Bock mehr auf den abschliessenden Slalom. Doch weit gefehlt! Unter grösstem Druck blühte die begnadete Skifahrerin und eiskalte Wettkämpferin so richtig auf und preschte im zweiten Durchgang noch vom 4. auf den 2. Platz nach vorne. «Ich bin sehr stolz dass ich das geschafft habe, auf einer Piste, die meinen Fähigkeiten wirklich nicht entgegen kommt», sagt sie.
«Jede Medaille hat ihre Geschichte», erzählt Rast. Vor einem Jahr bei der WM in Saalbach war sie die «coole Socke», die schon am Morgen mit ihrem Trainer spürte, dass dies ihr Tag sein würde und dann als Führende nach dem ersten Lauf ohne jede Nervosität zu Gold fuhr. Diesmal war alles komplizierter. «Es war eine schwierige Woche», gibt sie zu. Einen umso grösseren Wert hat diese Silbermedaille, weil sie eben gegen grosse Widerstände erkämpft wurde.