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Schweiz und Welt

Die Chauffeure greifen wieder zur Kasse

Bernhard Aebersold
11.06.2020, 04:30 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

«Bitte hinten einsteigen – zum Schutz unserer Mitarbeitenden. Wir danken für das Verständnis, Chur Bus». Dieses Plakat hängt seit Mitte März an der vordersten Türe eines jeden Churer Stadtbusses. Passagiere, die hinten in einen Bus einsteigen stellen fest, dass die vorderste Sitzreihe und der Zugang zum Chauffeur abgesperrt ist. Damit soll nun ab Freitag auf der Linie 6 (Bahnhofplatz–Chur West) versuchsweise Schluss sein. 

Chipcard Verkauf und Aufladung möglich

Chur Bus schreibt in einer Mitteilung, dass sie ihren Kunden weiterhin empfehlen, den Billettkauf «mit einer der bewährten Alternativen zum Chauffeurverkauf» abzuwickeln. Konkret bedeutet dies, online mit einer App von FairTiq, SBB oder über den Webshop von Chur Bus oder über Twint im Wageninneren.

Aber neu soll es eben wieder möglich sein, beim Chauffeur eine Chipcard zu kaufen und Guthaben aufzuladen. Mit der Chipcard können Passagiere die Streckenpreise selbständig von der Karte abbuchen.

Die vorderste Türe und der Durchgang ins Wageninnere werden damit zumindest auf der Linie 6 vorerst wieder geöffnet. Abgesperrt bleiben einzig die vier Plätze der ersten Sitzreihe. 

Schutzmaske für den Verkaufsprozess

Dass die vorderste Sitzreihe abgesperrt bleibt, aber das Stehen direkt neben dem Chauffeur möglich sein soll, mag seltsam anmuten. «Es liegt in der Kompetenz der Chauffeure, Fahrgäste im Wagen nach hinten zu bitten, falls ihnen Fahrgäste zu nahe kommen», sagt Ruedi Burger, Leiter Partner-Dienstleistungen und Markt der Bus AG, auf Anfrage von «suedostschweiz.ch».

Chauffeure werden während des Verkaufs von Chipcards zudem eine Schutzmaske tragen, die sie nach der Verkaufsabwicklung wieder ausziehen können. Und wie sieht es mit Handschuhen aus, um Bargeld entgegenzunehmen? «Nein, Handschuhe werden sie nicht tragen, aber jeder Chauffeur hat ein Desinfektionsmittel in seinem Bus dabei», hält Ruedi Burger fest. 

Dauer des Tests noch unbekannt

Stimmen von Chauffeuren, die dem Test skeptisch gegenüber stehen, gebe es gemäss Ruedi Burger bisher keine. «Einzig die Befürchtung, sich aufgrund des Verkaufs von Chipcards Verspätungen einzuhandeln, ist vereinzelt spürbar.»

Während des Lockdowns genossen es die Chauffeure, sich auf das Fahren konzentrieren zu können. «Der Verkauf von Chipcards gehört aber genauso zum Stellenprofil eines Chauffeurs und das ist ein Service, den wir unseren Kunden bieten möchten», hält Burger fest.

Wie lange der Verkauf und das Aufladen von Chipcards auf der Buslinie 6 getestet wird, ist noch offen.

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