Die Bedeutung der Athletik ist im Curling entscheidend geworden
Die Wischer entscheiden im Curling wesentlich über Sieg und Niederlage. Seit etwa fünf Jahren geschieht die wichtigste Arbeit im Kraftraum – zumindest im «Front End».
Yannick Schwaller, der Skip des im Olympiaturnier bisher ungeschlagenen Schweizer Männerteams, sagt es klipp und klar: «Ich glaube nicht, dass du erfolgreich sein kannst ohne sehr gute Wischer. Das ist etwas so, wie wenn Michi Vogt im Bob einen Anschieber hat, der langsam ist. Dann ist er nicht kompetitiv.»
Die Bedeutung des Wischens im Curlingsport ist eine relativ neue Entwicklung. «Speziell in den letzten fünf Jahren haben wir eine mega Veränderung erlebt», stellt Schwaller fest. «Der Sport hat sich mega entwickelt, wenn ich nach Schottland blicke, ist das noch einmal ein anderes Level. Und ich glaube, in zehn Jahren bewegen wir uns noch einmal in anderen Sphären.»
Steine, die ohne Wischen nicht möglich sind
Ein Blick auf Sven Michel genügt, um mit dem Image des Curlings als gemütlichem Hobbysport aufzuräumen. Der Berner Oberländer, der früher selber einmal als Skip ein Team anführte und nun bei Schwaller als «Second» die jeweils dritten und vierten Steine im Viererteam spielt, ist ein Kraftprotz. «Das hat sich sicher verändert in den letzten Jahren», bestätigt der 37-Jährige aus Interlaken. «Wir verbringen genau gleich viel Zeit im Kraftraum wie auf dem Eis.» Wir, das ist das so genannte «Front End» mit dem «Lead» Pablo Lachat und Michel.
«Mittlerweile gibt es Steine, die man ohne Wischen gar nicht spielen könnte», erklärt Michel. Ein Grund für die Entwicklung ist die generelle Professionalisierung des Sports, ein anderer das Material. Die Leute hätten zu tüfteln begonnen. «Es wurde so effektiv, dass man Steine sogar bremsen konnte.» Inzwischen sind Beschaffenheit und Material der Besen reguliert. Dafür begann man, die Wischtechnik immer genauer zu analysieren.