Deutscher wird Chef der Europäischen Staatsanwaltschaft
Der deutsche Top-Jurist Andrés Ritter wird neuer Europäischer Generalstaatsanwalt. Das Europaparlament gab in Strassburg die finale Zustimmung zur Ernennung des 61-Jährigen. Zuvor hatten bereits die EU-Staaten zugestimmt.
Als europäischer Generalstaatsanwalt wird Ritter die seit 2021 tätige Europäische Staatsanwaltschaft (EUStA) leiten. Sie ist eine unabhängige Einrichtung der EU, die Straftaten zum Nachteil der finanziellen Interessen der Union untersucht, verfolgt und vor Gericht bringt. Dabei geht es etwa um Mehrwertsteuerbetrug, Geldwäsche, Korruption und die Veruntreuung von EU-Mitteln.
Betrugsdelikte verursachen Milliardenschäden
Dem jüngsten EUStA-Jahresbericht zufolge arbeiteten die Ermittler Ende 2025 an einer Rekordzahl von rund 3.600 aktiven Fällen mit einem geschätzten Gesamtschaden von gut 67 Milliarden Euro. Der Grossteil des Schadens ist mit geschätzten 45 Milliarden Euro nach Angaben der Behörde auf Zoll- und Mehrwertsteuerbetrug zurückzuführen. 361 der Fälle werden demnach in Deutschland untersucht, mit einem geschätzten Schaden von knapp 5,8 Milliarden Euro.
Ritter ist bereits seit 2020 stellvertretender Leiter der Behörde in Luxemburg, zuvor war er unter anderem Oberstaatsanwalt in Rostock. Er wird den neuen Posten zum 1. November übernehmen. Dann endet das siebenjährige Mandat der derzeitigen EU-Chefanklägerin Laura Kövesi. Die Rumänin war 2019 zur ersten europäischen Generalstaatsanwältin ernannt worden.
Mehr Profit als bei Drogenhandel
Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagte der in Chile geborene Ritter, es sei für ihn «überraschend und erschreckend» gewesen, dass das Phänomen des Zoll- und Mehrwertsteuerbetrugs in der EU so lange ignoriert worden sei. Der Profit gehe über den von Drogenhandel hinaus und das Risiko der Aufdeckung und Bestrafung sei viel geringer. «Das ist auch für kriminelle Organisationen ein sehr, sehr einträgliches Modell», so Ritter.