Deutscher Verband warnt vor Kerosin-Engpass im Sommer
Der stockende Nachschub von Kerosin könnte nach Einschätzung des deutschen Luftverkehrsverbandes BDL schon bald zu spürbaren Einschnitten im Flugangebot führen. Die Branche schlägt konkrete Gegenmassnahmen vor.
«Die Sommerreisesaison steht unmittelbar bevor, das Ökosystem Tourismus ist in der Hauptreise- und Geschäftszeit bei ein- und ausreisenden Touristen auf den Luftverkehr angewiesen», warnte BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang am Freitag. Zuvor hatte die «Welt am Sonntag» darüber berichtet.
Ob und wann sich die Versorgungslage zuspitzt, hänge massgeblich von der Dauer des Iran-Kriegs ab. Selbst bei einem kurzfristigen Ende werde sich die Lage auf den Energiemärkten nur langsam entspannen.
Der Verband verweist auf Energieexperten, gemäss denen im Nahen Osten mehr als 80 Anlagen teils schwer beschädigt seien, sodass eine kurzfristige Rückkehr zum Vorkrisenniveau nicht erwartet werden könne. Die Mineralölwirtschaft gehe davon aus, dass noch für längere Zeit 20 Prozent der globalen Öl-Kapazität nicht verfügbar seien.
Ersatz für Importe aus Nahost gesucht
Der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge könnte Kerosin in Teilen Europas wegen der Lage in der Strasse von Hormus in den kommenden Wochen knapp werden. «Mehrere europäische Länder könnten in den kommenden sechs Wochen einer beginnenden Knappheit von Kerosin gegenüberstehen», hiess es am Vortag von der in Paris ansässigen IEA.
Dies hänge davon ab, wie viel der eingebüssten Lieferungen aus dem Mittleren Osten Länder durch andere Importe wettmachen könnten. Bislang seien 75 Prozent der europäischen Kerosin-Nettoimporte aus dem Mittleren Osten gekommen.
Ersatz kommt bislang vor allem aus den USA, so der BDL. Die Lieferungen könnten allerdings bislang nur rund die Hälfte der ausfallenden Mengen ersetzen. Es drohten niedrige Bestände und ein enger Markt über den Sommer hinaus.