Deutsche Wirtschaft in längster Krise seit Jahrzehnten
Wirtschaftsforscher sehen die deutsche Wirtschaft in einer so langen Krise wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Erst Corona, dann der Ukraine-Krieg und jetzt der Iran-Krieg beuteln die grösste Volkswirtschaft Europas.
«Seit Jahren schlafwandeln wir von einem Wirtschaftsschock in den nächsten, zwischenzeitliche Hoffnungsschimmer verschwinden», sagte Michael Grömling vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am Freitag der Nachrichtenagentur (DPA) nach Vorlage einer Konjunkturumfrage unter 1000 Unternehmen. Darüber hatte zuvor die Boulevardzeitung «Bild» berichtet.
Die Krise habe 2020 mit der Corona-Pandemie und deren massiven Folgen für die Unternehmen begonnen. Als die vorbei gewesen sei, seien die Konjunkturprognosen für das Jahr 2022 positiv gewesen, so Grömling weiter. Dann aber sei mit dem Ukraine-Krieg der nächste Schock samt hoher Energiepreise gekommen. Das wiederhole sich nun: Die positiven Prognosen für 2026 würden nun durch den Iran-Krieg zunichtegemacht.
Tiefe Sorgenfalten von Firmenmanagern
Die Konjunkturumfrage des IW unter rund 1000 Firmen aus den Bereichen Industrie, Dienstleister und Bau fällt ernüchternd aus. So berichteten 43 Prozent der Unternehmen, dass ihre Geschäfte schlechter laufen als vor einem Jahr. Nur 14 Prozent sprachen von besseren Geschäften.
Der Pessimismus überwiegt – für den Rest des Jahres gehen deutlich mehr Firmen von schlechteren Geschäften als von besseren Geschäften aus. Die Umfrage wurde im März durchgeführt, also nach Beginn des Iran-Kriegs.
Zu denken gibt zudem, dass 40 Prozent der Firmen ihre Investitionen senken wollen. Ausserdem ergab die Befragung, dass viele Firmen beim Personal den Rotstift ansetzen: In der Industrie planen 37 Prozent der befragten Unternehmen mit weniger Personal und nur 14 Prozent mit mehr. Bei Dienstleistern ist das Verhältnis mit 28 Prozent zu 22 Prozent weniger deutlich.
Krise führte zu tiefgreifenden Reformen