Deschamps zwei Siege vor dem krönenden Abschluss
Zwei Siege fehlen Didier Deschamps noch bis zum krönenden Abschluss seiner Ära. Legenden-Status hat er schon jetzt. Was Frankreichs Trainer auszeichnet und welche Rekorde noch möglich sind.
Manchmal sagen Gesten noch mehr als Worte. Auch bei Didier Deschamps ist das in diesen Wochen so. Frankreichs Nationaltrainer hat an der Fussball-WM einen Medientermin nach dem anderen. Immer und immer wieder soll er über das Erfolgsgeheimnis seiner so beängstigend guten Mannschaft sprechen. Dabei spiegeln schon seine Emotionen eindrucksvoll wider, was dem 57-Jährigen so wichtig ist: menschliche Nähe und Geschlossenheit.
Verneigung vor dem Superstar
«Ich bin stolz, dieses Team zu haben», sagte Deschamps vor dem Halbfinal gegen Spanien am Dienstag (21.00 Uhr Schweizer Zeit) in Arlington bei Dallas. Der Coach bezog dabei bewusst alle mit ein: ob Spieler, Assistenten oder Betreuer. «Alle kämpfen für die Gruppe», sagte Deschamps.
Die Art und Weise, wie der Mann mit dem weissen Hemd und dem schicken Anzug sein Starensemble durch dieses Turnier führt, bringt ihm weltweit grossen Respekt ein. Er lebt seinen Spielern genau das vor, was er von ihnen sehen möchte: Einsatz, Disziplin – aber eben auch Herz und Kameradschaft.
Wie er sich vor Kylian Mbappé nach dessen Sechzehntelfinal-Show gegen Schweden verneigte. Wie er nach dem hitzigen Achtelfinal-Sieg gegen Paraguay erleichtert die Zunge rausstreckte. Wie er Flügelspieler Désiré Doué nach dem Viertelfinal-Erfolg gegen Marokko lange in den Arm nahm: Das sind die Bilder, die sich einbrennen. Nicht nur bei den Fans der Franzosen.
Auch Starcoach Jürgen Klopp lobte Deschamps' Kommunikation mit seinen Spielern als Experte bei MagentaTV und zog den ballverliebten Dribbelkünstler Michael Olise von Bayern München als Beispiel heran. «Mit diesen Spielern muss jemand gesprochen haben, dass sie das machen. Von allein machen die das nicht», erklärte Klopp das starke Zusammenspiel der französischen Offensiv-Asse und deren Bereitschaft, auch nach hinten mitzuarbeiten. «Wenn du Olise den Ball hinschmeisst, nimmt er ihn und gibt ihn dir in vier Wochen wieder.» Unter Deschamps ist das definitiv nicht so.