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Schweiz und Welt

«Der Tag wird kommen, an dem wir die Schweiz schlagen»

Agentur sda
heute um 04:30 Uhr
heute um 06:11 Uhr

Der Schweizer Roger Bader hat Österreichs Eishockey-Nationalteam zurück ins Rampenlicht geführt. Nun steht für den österreichischen Nationaltrainer mit der WM in Zürich ein besonderes Turnier an.

Roger Bader ist der starke Mann im österreichischen Eishockey. Der in Winterthur geborene Zürcher hat das Nachbarland aus dem Dornröschenschlaf geführt und mit den starken Auftritten an den letzten beiden Weltmeisterschaften für Aufsehen gesorgt. Im vergangenen Jahr gelang Österreich erstmals seit 31 Jahren wieder der Einzug in den Viertelfinal. Dafür wurde das Nationalteam im eigenen Land erstmals überhaupt zur Mannschaft des Jahres gewählt.

Nun steht für Bader mit der WM in Zürich quasi ein Heimturnier an, Österreich bestreitet seine Vorrundenspiele in der Schweizer Gruppe. Im Interview mit Keystone-SDA spricht Bader unter anderem über seine zweite Heimat Österreich, die öffentliche Wahrnehmung der Causa Patrick Fischer im Nachbarland und darüber, weshalb sein langjähriger Freund Arno Del Curto nicht mehr dem österreichischen WM-Staff angehört.

Roger Bader, eine WM in Zürich, wie sehr fühlt sich das für Sie wie ein Heimturnier an?

«Natürlich ist es etwas Spezielles, wenn die WM im eigenen Land stattfindet. Ich wohne ja seit Jahren in Kloten. Allerdings hat es auf meinen Job keinen Einfluss. Ich werde nichts anders machen als zuletzt bei den Turnieren in Prag oder Stockholm.»

Sie arbeiten seit zwölf Jahren für den österreichischen Eishockeyverband und sind seit 2017 Nationaltrainer. Wie viel Österreich steckt inzwischen in Ihnen?

"Seine Herkunft verliert man natürlich nie. Ich bleibe Schweizer und bin auch stolz darauf. Aber nach zwölf Jahren ist Österreich für mich eine zweite Heimat geworden. Ich habe dort viele Freunde gefunden und schätze vieles, was ich im Land kennengelernt habe.

Können Sie das etwas genauer ausführen?

"Ich glaube, Schweizer und Österreicher sind sich grundsätzlich ähnlich – beide sind Mitteleuropäer. Vielleicht sind die Österreicher etwas lockerer, wir Schweizer eher strenger. Diese ‚Passt schon‘-Mentalität in Österreich ist etwas, das ich sehr schätze. Insgesamt ist der Alltag dort einfach etwas entspannter.

Und umgekehrt: Was schätzen sie an der Schweiz und den Schweizern besonders?

«Wir Schweizer werden in Österreich als sehr verlässlich, pünktlich und professionell wahrgenommen. Das betrifft auch mich persönlich. Österreich ist im Privaten sicher etwas lockerer, was sehr angenehm sein kann. Im Beruf bleibe ich aber, wie ich bin – ich bin Schweizer und gehe auch so an meine Arbeit heran.»

In der Schweiz sind die Erwartungen nach zuletzt zwei WM-Silbermedaillen gross. Wie ist die Ausgangslage in Österreich nach den jüngsten Erfolgen?

"Der Österreicher tickt da vielleicht etwas anders als der Schweizer – sehr stark zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Ich sage immer: Seid froh, dass ihr einen Schweizer als Nationaltrainer habt. Ich bin derjenige, der die professionelle Mitte ausstrahlt.

Aber ja, die letzten beiden Weltmeisterschaften waren sicher überragend, sowohl von den Resultaten als auch von der Ausstrahlung her. Wir hatten wirklich sehr gute Spiele. Aber es ist noch nicht lange her, dass wir noch um den Klassenerhalt gespielt haben. Das vergessen wir nicht. Darum geht es für uns in erster Linie darum, in der A-Gruppe zu bleiben. Danach kann man neue Ziele setzen."

Mit dem verletzungsbedingten Ausfall der beiden NHL-Stürmer Marco Rossi und Marco Kasper fehlen Ihnen in diesem Jahr zwei wichtige Leistungsträger. Wie kann man diesen Verlust auffangen?

"Natürlich tut das weh. Als die beiden Absagen kamen, mussten wir schon leer schlucken. Vor allem offensiv gehen uns ihre Qualitäten ab. Uns fehlen auch noch andere gute Spieler (wie SCB-Stürmer Benjamin Baumgartner – Red.). Aber wir können es nicht ändern. Wir müssen Lösungen finden und andere Spieler in die Verantwortung nehmen.“

Ein guter Start ins Turnier gilt ja als entscheidend – das trifft auf Österreich in Zürich wohl besonders zu, da mit Grossbritannien, Ungarn und Lettland zu Beginn die vermeintlich einfacheren Gegner warten.

«Bisher hatten wir die entscheidenden Spiele um den Klassenerhalt meist eher gegen Ende des Turniers, diesmal kommen sie schon zu Beginn. Das ist neu für uns. Aber am Ende kann man den Spielplan nicht beeinflussen. Wir nehmen es, wie es kommt. Schon das erste Spiel gegen Aufsteiger Grossbritannien wird extrem wichtig. Das wird ein harter Fight.»

Dann kommt das Duell mit der Schweiz. Sie kennen solche Spiele, ist es in der eigenen Heimat trotzdem noch einmal etwas Besonderes?

«Es gab schon einige besondere Spiele gegen die Schweiz. Bei meinem ersten Duell 2018 in Kopenhagen haben wir einen Punkt geholt, 2024 in Prag waren wir lange nahe an einer Überraschung und kassierten erst in der Schlussminute das 5:6. Vor einem Jahr im Viertelfinal (0:6) waren wir chancenlos. Natürlich sind die Schweizer auch diesmal Favorit, in neun von zehn Spielen gewinnen sie gegen uns. Aber irgendwann wird der Tag kommen, an dem wir sie schlagen.»

2022 bis 2024 gehörte ihr Freund Arno Del Curto zum österreichischen WM-Staff, im letzten Jahr war der langjährige HCD-Trainer nicht mehr dabei. Ist dieses Kapitel abgeschlossen?

"Unsere Freundschaft besteht weiterhin. Aber Arno ist jetzt in einem gewissen Alter und hat für sich entschieden, dass er das nicht mehr machen möchte. Eine WM ist auch für den Coaching-Staff sehr intensiv. Er wird sicher das eine oder andere Spiel anschauen und vielleicht auch mal im Teamhotel vorbeischauen. Während der Vorbereitung hat er uns schon einmal in Feldkirch besucht. Aber im Staff ist er definitiv nicht mehr dabei.“

Die Affäre um Patrick Fischer hat hierzulande hohe Wellen geworfen. Wie wurde das Thema in Österreich wahrgenommen?

«Natürlich war das auch in Österreich in den Medien, wenn auch logischerweise weniger intensiv als in der Schweiz. Grundsätzlich hat man sich gewundert, dass das jetzt so spät noch publik wurde. Ich glaube, es bedauern es alle, dass er an dieser WM nicht mehr coachen kann. Das sehen in Eishockeykreisen wohl alle so.»

Können Sie die Aufregung nachvollziehen?

«Ich möchte mich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Ich verstehe mich sehr gut mit Patrick Fischer und finde es sehr schade, dass er diese WM nicht coachen kann. Aber ich kenne die Hintergründe zu wenig und weiss nur, was in den Medien steht. Deshalb kann ich mir kein abschliessendes Urteil erlauben. Grundsätzlich ist es einfach schade, was passiert ist.»

Ihr Vertrag wurde kürzlich bis 2028 verlängert. Reizt es Sie nicht, irgendwann einmal noch ein Team in der National League zu coachen?

«Natürlich ist das immer irgendwo im Hinterkopf. Es wäre gelogen zu sagen, dass mich das nicht reizen würde. Gleichzeitig liebe ich meinen Job als Nationaltrainer, das ist eine ganz andere Aufgabe als im Klub. In dieser Rolle fühle ich mich seit über zehn Jahren extrem wohl. Aber klar: Sollte sich irgendwann die Möglichkeit bei einem Schweizer Profiklub ergeben, würde ich mir das sicher anhören. Grundsätzlich mache ich meinen Job als österreichischer Nationaltrainer aber sehr gerne.»

Gab es in den letzten Jahren konkrete Angebote?

«Es gab hin und wieder lose Gespräche, aber nie ein konkretes Angebot. Vermutlich auch, weil alle wussten, dass ich in Österreich einen Vertrag habe. Und vielleicht auch, weil Österreich in der Schweiz noch immer etwas unter dem Radar läuft.»

Wenn Sie sich etwas für diese WM wünschen könnten, was wäre das?

«Sportlich wünsche ich mir natürlich den Klassenerhalt und dass wir dann vielleicht noch positiv überraschen können. Und emotional wünsche ich mir, dass wir so auftreten, dass alle, die die österreichische Nationalmannschaft lieben, stolz auf uns sind und Freude an unserem Team haben.»

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