Der Schweizer Animationsfilm ist ein unterschätzter Exportschlager
Schweizer Animationsfilme laufen erfolgreich an internationalen Festivals, doch hierzulande haben sie es schwer. Woran liegt das? Und wie stark ist der Einfluss von KI? Nachgefragt bei einer der bekanntesten Regisseurinnen und dem Branchenverband.
«Es hat sich in den letzten Jahren enorm viel getan in der Szene», sagt die Schweizer Animationsfilmemacherin Anja Kofmel. Sie führt ein eigenes Studio und hat 2018 mit «Chris the Swiss» zahlreiche Preise gewonnen.
Die Ausbildung an der Hochschule Luzern (HSLU) etwa habe sich professionalisiert. «Ich bin fast ein wenig eifersüchtig, wenn ich die derzeitigen Angebote und Möglichkeiten sehe», sagt die 44-Jährige, die 2009 in Luzern abgeschlossen hat. Die Schule sei breiter aufgestellt, investiere in Technik und Inhalte und fördere die Teamarbeit.
Neue Produktionsfirmen
Das bestätigt Carole Bagnoud, Geschäftsleiterin des Branchenverbandes Groupement Suisse du Film d'Animation. «Früher wurde das Animationsfilmschaffen stark von einzelnen Autorinnen und Autoren geprägt, die ihre Werke eigenständig entwickelten, produzierten und umsetzten. Diese gibt es nach wie vor. Doch inzwischen hat sich die Landschaft deutlich erweitert: Zunehmend entstehen Arbeiten in Kollektiven.»
Überdies hätten sich Produktionsfirmen etabliert, die sich gezielt auf Animationsfilm spezialisieren, ebenso wie solche, die neben Realfilmproduktion auch Animation in ihr Portfolio aufnehmen. «Zudem werden vermehrt internationale Koproduktionen realisiert», so Bagnoud. Dadurch entstünden neue Arbeitsplätze. «Dies hat den Vorteil, dass Gelder auch im Ausland akquiriert werden können und gleichzeitig der Austausch mit ausländischen Talenten gefördert wird.»
Kofmel, die an der HSLU unterrichtet, sagt, dass die Nachfrage sowohl im Bachelor als auch im Master stetig steige, der Ruf der Schule immer besser werde und damit auch die internationale Ausstrahlung.