Mit dem nötigen Respekt
«Erwartet nicht zu viel. Unsere Führerin hatte vorgestern bei einer Rekognoszierungstour nichts entdeckt», dämpft der Umweltbeauftragte des SAC, Dieter Müller, allzu grosse Hoffnungen. Doch Bollier hat fassbares Anschauungsmaterial mitgebracht. Während die verschiedenen Schädel, Hörner und Geweihe von Hand zu Hand gehen, erläutert sie den Unterschied. «Hörner sind fest mit dem Schädel verwachsen, Geweihe bilden sich jedes Jahr neu.» Ziel der heutigen Veranstaltung ist es, Wissen über die Rolle des Wildes im Lebensnetzwerk der Alpen zu vermitteln und über die Bedeutung von Wildruhezonen zu informieren, Bolliers Aufgabengebiet beim Amt für Jagd und Fischerei Graubünden. Doch schon ruft jemand: «Ein Adler», und alle Feldstecher richten sich nach oben. Während dieser die Angriffe eines Falken über sich ergehen lässt, erzählt Bollier unten weiter: «Die rechte Talseite unter dem Gfroren Hora ist ein ganz wichtiges Wildeinstandsgebiet. Besonders im Frühjahr nutzen die Gämsen es stark.» Schon hat jemand einen einzelnen Gämsbock entdeckt, und wieder wandern alle Blicke in die Höhe. Zuletzt zieht Bollier noch einen ganz anderen Schädel aus ihrem Fundus. Die Führungsteilnehmenden bewundern den ganz anderen Bau und die viel kräftigeren Kiefer des Raubtiergebisses.
Wanderung mit Unterbrüchen
Dann macht man sich auf in Richtung Chüealptal. Doch die Gruppe kommt nicht weit. Schon nach wenigen Schritten wird sie von einem Murmeltier ausgepfiffen. Hoch aufgerichtet auf einem Stein, ist es durch den Feldstecher gut zu sehen. Bereits bei der Brücke zum Älpli ist erneut Halt. Unterhalb des Älplihorns wurde Steinwild entdeckt. Zur Freude der Beobachter fechten zwei Jungböcke einen Übungskampf aus. Ein Rudel Geissen weidet nebenan.