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Schweiz & Welt

Der Kanton schaut nun genauer hin

Südostschweiz
01.02.2019, 08:44 Uhr
heute um 16:56 Uhr

Eine Kantonsdelegation unter der Leitung von Regierungsrat Mario Cavigelli, Vorsteher des Bau-, Verkehrs- und Forstdepartements Graubünden, tauschte sich am Donnerstag in Scuol mit einer Behördenvertretung der Region Engiadina Bassa/Val Müstair aus. Im Zentrum der Gespräche standen die Massnahmen der öffentlichen Hand gegenüber Unternehmen, welche an wettbewerbswidrigen Submissionsabsprachen beteiligt sind, wie es in einer Mitteilung des Kantons heisst.

Stand der Dinge: Abwarten

Die Wettbewerbskommission (Weko) hat unzulässige Wettbewerbsabreden aufgedeckt und in der Folge acht Verfahren mit Sanktionen gegenüber fehlbaren Unternehmen abgeschlossen («Münstertal», «Engadin I», «Engadin III – VIII»). Zuletzt hat die Weko im Fall «Engadin I» am 26. März 2018 verschiedene lokale Bauunternehmen mit über 7,5 Millionen Franken gebüsst. Die dagegen erhobenen Beschwerden sind derzeit beim Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen hängig.

Kanton will Akteneinsicht

Kanton und Region haben Massnahmen ergriffen, um die Interessen der öffentlichen Hand zu wahren. Um allfällige Schadenersatzansprüche zu sichern, wurden bei der Weko Akteneinsichtsgesuche gestellt und von den betroffenen Unternehmen Verzichtserklärungen bezüglich der Verjährungseinrede eingeholt. Des Weiteren hat der Kanton beschaffungsrechtliche Sanktionen ergriffen, um einen funktionierenden Wettbewerb sicherzustellen. Gegen einen vom Kanton 2018 verfügten Ausschluss von Kantonsvergaben führt derzeit ein Unternehmen Beschwerde beim Verwaltungsgericht Graubünden.

Zudem holt der Kanton als Zulassungsvoraussetzung vor jeder Zuschlagserteilung bei einer involvierten Unternehmung eine zusätzliche Bestätigung ein. In dieser Bestätigung muss die Unternehmung einerseits über deren Absprachetätigkeit bei Kantonsvergaben Auskunft geben. Andererseits muss sie über den Verfahrensstand Auskunft erteilen, bei Weko-Verfahren, die sie betreffen. Zudem müssen die bietenden Bauunternehmungen ausdrücklich bestätigen, seit dem Beginn der Weko-Untersuchungen im Oktober 2012 keine Wettbewerbsabreden getätigt zu haben.

Vertrauen wiederherstellen

Aufträge der öffentlichen Hand hätten in einer peripheren Region wie das Unterengadin und das Münstertal eine grosse volkswirtschaftliche Bedeutung. Kanton und Region sind sich deshalb einig, dass die Bauwirtschaft erhebliche Anstrengungen leisten muss, um das Vertrauen wiederherzustellen. Dies sei essentiell, damit es nicht zu einer langandauernden Zurückstellung von Bauaufträgen kommt, versehen mit nicht abschätzbaren Auswirkungen für die öffentliche Infrastruktur und das lokale Gewerbe. (so)

Das Bündner Baukartell