Der harte Alltag nach dem Sommermärchen
Das Schweizer Frauen-Nationalteam spaziert zum ersten Sieg in der WM-Qualifikation. Trotzdem ist Trainer Rafel Navarro nur bedingt zufrieden. Es bleibt noch viel Arbeit.
Je zweimal pro Halbzeit fährt die Stadionspeakerin an diesem Dienstagabend in Lausanne aus der Haut. Je einmal, als sie die Torschützinnen beim 2:0-Sieg über Nordirland präsentiert. Je einmal, um das in Trance verfallene Publikum aufzuwecken.
Denn statt eines fussballerischen Leckerbissens wird den etwas mehr als 4000 Zuschauern am Dienstagabend im Stade de la Tuilière ein Klassenunterschied geboten. Spannung kommt nie wirklich auf. Spätestens nach 22 Minuten und dem Führungstreffer durch Riola Xhemaili ist klar, dass die Schweizerinnen das Spiel gewinnen werden. Einerseits funktioniert das Gegenpressing nach Ballverlust im Team von Rafel Navarro. Andererseits sind die Nordirinnen in der Offensive schlicht inexistent. Die Frauen von der Insel bringen das Kunststück fertig, während 90 Minuten keinen Ball auf das von Livia Peng gehütete Tor zu schiessen. Und so plätschert das Spiel vor sich hin.
Am Anfang eines Prozesses
Es ist der neue Alltag für die Schweizerinnen, welche die Qualifikationsphase nach dem Abstieg aus der Liga A der Nations League eine Stufe tiefer bestreiten. Entsprechend überschaubar ist die Qualität der Gegner, wobei Nordirland (44.), zieht man die Weltrangliste herbei, gar der stärkste Gegner vor der Türkei (58.) und Malta (88.) sein dürfte. Hatte die SFV-Auswahl in der Nations League Gegnerinnen, die mindestens auf Augenhöhe waren, ist sie nun in der Gruppenphase der WM-Qualifikation jedem Spiel der grosse Favorit.
In Anbetracht der völlig neuen Spielausrichtung, die Trainer Rafel Navarro vorgibt, könnte es durchaus ein Vorteil sein, dass nicht jeder Fehler direkt bestraft wird, sich das Team ohne allzu grossen Druck mit der Philosophie des Trainers vertraut machen und Abläufe einspielen kann.
Captain Lia Wälti sprach nach dem Spiel von einem «extrem neuen Spielsystem» und einer «neuen Spielidee». Entsprechend brauche es Zeit, um das alles zu verinnerlichen. «Es ist ein Prozess», so die Mittelfeldspielerin von Juventus Turin. Sie hätten in der vergangenen Woche schon viel gelernt, das es nun umzusetzen gelte. «Ich bin überzeugt», so Wälti, «dass wir in den nächsten Spielen die nächsten Schritte machen werden».