Der «Fall Fischer» lässt die Emotionen hochgehen
Immer mehr Details zum «Fall Fischer» kommen am Tag nach seiner Freistellung ans Tageslicht. Das Thema beschäftigt weit über die Sportwelt hinaus und sorgt für starke Emotionen.
Am Mittwochabend endet die sehr erfolgreiche Ära von Patrick Fischer als Chefcoach der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft abrupt. Ein gefälschtes Covid-Zertifikat, das er 2021 gekauft und zur Reise an die Olympischen Spiele in China benutzt hatte, wird ihm zum Verhängnis.
Dass die Sache nun, fast drei Jahre, nachdem er strafrechtlich wegen Urkundenfälschung gebüsst wurde, an die Öffentlichkeit gelangt ist, hat er sich selber zuzuschreiben. Am Ursprung steht ein geplanter Beitrag von SRF. In der Mittwochsausgabe von «10 vor 10» erklärte der Produzent Pascal Schmitz den Hergang. Demnach sei es bei Recherchearbeiten zu einem Porträt über den Nationaltrainer vor rund einem Monat zu einem Treffen gekommen. Dabei habe Fischer im Beisein von Schmitz, einem weiteren SRF-Kollegen und dem Medienchef des Schweizerischen Hockeyverbands ungefragt vom gefälscht bestellten Covid-Zertifikat gesprochen.
Überwiegendes öffentliches Interesse
«Da muss man sich als Journalist fragen: Was macht man jetzt mit dieser Information? Einfach vergessen oder muss man nicht seiner Aufgabe nachgehen? Wir haben uns für Letzteres entschieden», so Schmitz. SRF habe bei der Staatsanwaltschaft Luzern den Strafbefehl eingefordert und überwiegendes öffentliches Interesse geltend gemacht. Den Strafbefehl habe man vor rund zehn Tagen erhalten, so Schmitz. «Auf dieser Grundlage haben wir Fischer anschliessend mit den Fakten konfrontiert.» Es folgte am Montag das Video mit der Stellungnahme Fischers, das eine öffentliche Debatte entfachte, infolge derer der Verband am Mittwoch die Reissleine zog.
Die Freistellung Fischers lässt am Tag danach die Wogen hochgehen. Es zeigen sich ähnliche Bruchlinien wie während der Corona-Pandemie. Impfgegner feiern den 50-jährigen Zuger für seine impfkritische Haltung, zu der er immer gestanden hat. Sogar nationale Politiker springen Fischer zur Seite. In den Kommentarspalten der Online-Medien bedauern viele, dass er an der Heim-WM nicht mehr an der Bande stehen wird und so einen würdigen Abschluss seiner Nationalmannschaft-Karriere erhält. Eine Online-Petition fordert sogar Fischers Wiedereinsetzung.