Der Engadin Skimarathon spielt mit dem Feuer
Nach zehn Teilnahmen in Folge ist für mich vorerst Schluss. Erstmals seit 2008 werde ich am zweiten März-Wochenende nicht mehr erwartungsfroh in Maloja zu 42 Kilometern durch die herrlich verschneite Engadiner Seen-Landschaft starten und etwa zweieinhalb Stunden später entkräftet aber dopamindurchflutet in S-chanf über die Ziellinie hecheln. Die Entscheidung, beim grössten und schönsten Schweizer Volkslauf nicht mehr mitzumachen, ist mir nicht leicht gefallen. Zusammen mit meinem Vater, der bald einmal in den Kreis der «Giubilers» einziehen wird und zuletzt mit meiner Schwester, die den Halbmarathon läuft, bin ich am Marathon-Sonntag jeweils um 5 Uhr morgens in Davos in den Extrazug nach St. Moritz eingestiegen und am frühen Nachmittag wieder ins Landwassertal zurückgekehrt. Ein schönes Familienerlebnis.
Trotzdem: Schon im Ziel des Jubiläumslaufs 2018 war ich mir unsicher, ob ich nächstes Jahr wieder dabei sein werde. Das frühe Aufstehen, die Menschenmassen und das Frieren am Start gehören zugegebenermassen nicht zu meinen Lieblingsdisziplinen. Als Quereinsteiger in den Langlaufsport hatte ich aber das Glück, mich dank Fortschritten in der eigenen Technik und Optimierung des Materials im Verlaufe der zehn Teilnahmen rangmässig immer weiter zu verbessern. Das war motivierend. Nun scheint das Ende der Fahnenstange erreicht. Als Elite-C-Läufer müsste ich die Anzahl absolvierter Kilometer in der Vorbereitung deutlich nach oben schrauben, um mich weiter zu verbessern. Oder aber ich könnte mich früher und damit weiter vorne in die Startbox einreihen. Wer sich anderthalb Stunden vor Start im Renntenue und bei deutlichen Minusgraden ins Startfeld der Elite C begibt, hat einen guten Startplatz. Wer dies erst eine halbe Stunde vor Start tut, hat einen weniger guten.
Wer den Engadin Skimarathon einige Male mit gewissen Ambitionen gelaufen ist, weiss, dass sich die Startposition innerhalb der eigenen Stärkeklasse stark auf die Endzeit auswirkt. Läuferinnen und Läufer zuvorderst im Elite-C-Block dürfen sich berechtigte Hoffnungen auf die Qualifikation für die nächstbessere Klasse (Elite B) machen. Wer dieses Kunststück von weit hinten im Block schafft, bewegt sich leistungsmässig bereits mindestens auf dem Niveau eines starken Elite-B-Läufers. Kurz zusammengefasst: Da ich weder mein Trainingspensum deutlich erhöhen, noch eineinhalb Stunden vor Start in Eiseskälte frieren möchte, ist mein Potenzial ausgeschöpft. Als Wettkampftyp schlägt das auf die Motivation.