Der Böögg brennt – Zürich läutet den Frühling ein
Am Montag ist es wieder so weit: Zürich verbrennt den Böögg. Das Frühlingsfest rund um den brennenden Schneemann ist weit mehr als nur ein Wetterorakel.
Das Sechseläuten
Das Sechseläuten, also das abendliche Läuten der zweitgrössten Glocke des Grossmünsters nach der Tagundnachtgleiche Ende März, ist laut der Zentralbibliothek Zürich seit 1525 aktenkundig. Die Feierabendglocke liess alle wissen, dass der Arbeitstag wieder später endete und den Beginn der längeren Arbeitszeit im Sommer markierte. Daraus entstand das sogenannte «Sächsilüüte». Parallel dazu existierten Frühlingsbräuche, bei denen Bööggen symbolisch verbrannt wurden. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden diese Traditionen zunehmend zusammengeführt.
Der Böögg
Der Böögg ist laut Duden ein «schweizerdeutscher Begriff für eine Schreckgestalt, einen Kobold oder eine vermummte Person, oft im Kontext der Fasnacht». In Zürich ist er vor als Sechseläuten-Figur bekannt und verkörpert einen Schneemann. Mit seiner Verbrennung auf einem 10 Meter hohen Scheiterhaufen soll der Winter vertrieben und der Frühling begrüsst werden. Am längsten brannte der Böögg 2023, nämlich 57 Minuten. 1968 und 1971 explodierte er nach genau fünf Minuten. Anschliessend werden auf den glühenden Überresten des Holzstosses Würste gebraten.
Das Wetterorakel
In Zürich wird der Böögg traditionell als Wetterorakel für den Sommer betrachtet. Er wird pünktlich um 18 Uhr angezündet: Je schneller sein Kopf explodiert, desto schöner soll der Sommer werden. Eine Untersuchung von MeteoSchweiz zeigte jedoch kaum einen Zusammenhang zwischen Brenndauer und Sommertemperatur. Als Sommer-Orakel tauge der Böögg daher nicht. Zwar gab es einzelne Treffer, etwa im Hitzesommer 2003 mit einer Brenndauer von 5 Minuten und 40 Sekunden. Insgesamt liegt er aber meist daneben. Entscheidend sind vielmehr Aufbau des Scheiterhaufens, Trockenheit des Holzes und Wetterbedingungen.
Die Zünfte