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Schweiz und Welt

«Der Abstimmungskampf wird von zwei Schlagworten dominiert»

Linth-Zeitung
29.01.2022, 09:00 Uhr
gestern um 12:16 Uhr

Interview: Flavio Bundi

Herr Kundert, die Schweizer Medienlandschaft lichtet sich. In den vergangenen 20 Jahren sind rund 70 Zeitungstitel verschwunden. Ist der Journalismus als Geschäftsmodell passé?

Thomas Kundert: Als Geschäft, wie wir es bis jetzt kannten, ist er wohl passé, ja. Früher wurden zwei Drittel der Zeitung über Werbung finanziert, ein Drittel über Abonnements. Inzwischen ist – nicht zuletzt wegen Corona – der Anteil der Werbung auf einen Drittel gesunken. Gleichzeitig steigen die Zustellkosten, weil sich immer mehr Menschen über digitale Kanäle informieren. Das ist auch bei der «Südostschweiz» so. Noch nie haben mehr Menschen unsere Medien genutzt als heute, aber weniger haben halt eine gedruckte Zeitung abonniert. Das heisst, es werden weniger Zeitungen gedruckt und verteilt, was die Produktions- und vor allem die Zustellkosten pro Exemplar enorm in die Höhe treibt. In diesem Dilemma stecken nicht nur wir, sondern alle Medienhäuser. Jetzt braucht es neue Modelle, und einfach 1:1 das Modell der Zeitung auf Online zu übertragen, funktioniert nicht. Online hat ein Werbefranken zehnmal weniger Wert als in der Zeitung.

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Einfach 1:1 das Modell der Zeitung auf Online zu übertragen, funktioniert nicht.»

Mich erinnert der Abstimmungskampf zum Mediengesetz ein wenig an jenen zur No-Billag-Initiative vor vier Jahren. Auf der einen Seite wird die Wichtigkeit der lokalen und regionalen Medien hervorgehoben, es wird auf die Funktion der Medien als Wachhund der Demokratie hingewiesen. Auf der anderen Seite gibt es die Unterstützung der Grossverlage, welcher viele Menschen kritisch gegenüberstehen. Wie erleben Sie den Abstimmungskampf?

Er wird eigentlich von zwei Schlagworten der Gegnerinnen und Gegner dominiert. Das eine ist, dass ein Grossteil der Gelder zu den grossen Verlagshäusern gehen soll. Das ist schlichtweg falsch, tönt aber natürlich gut. Der andere Punkt ist, dass sich die Medien angeblich abhängig machen vom Staat. Wenn wir ins Ausland schauen, gibt es hier eigentlich genau die gegenteiligen Erfahrungen. Diese beiden Argumente dominieren, aber man spricht viel zu wenig darüber, worum es eigentlich geht. Das ist sehr schade.

Ein externer Fragensteller

Das Interview mit Somedia-CEO Thomas Kundert wurde von Flavio Bundi geführt. Der 34-jährige Bundi ist seit vier Jahren Chefredaktor von Radiotelevisiun Svizra Rumantscha (RTR). Weil die «Linth-Zeitung» als Teil von Somedia von einer Annahme des Medienpakets profitieren würde, war es der Redaktion wichtig, das Gespräch durch einen externen Interviewer führen zu lassen, der nicht unserer Redaktion angehört.

Bundi hatte für die Zusammenstellung seiner Fragen keine Vorgaben seitens der Redaktion oder von Somedia. (red)

Die Vorlage ist sehr umstritten, auch, wenn man sich die Umfragen ansieht. Wird auf die falschen Argumente gesetzt, auch von Befürworterseite? Oder woran liegt es, dass das Gesetz zu scheitern droht? Eigentlich müssten die regionale und lokale Unterstützung ja gegeben sein.

Ich habe das Gefühl, dass es in der heutigen Situation einfacher ist, gegen etwas zu sein, als für etwas einzutreten. Wenn man sich das gesamte Budget des Bundes anschaut, dann geht es ja um verhältnismässig – ich sage ausdrücklich verhältnismässig – wenig Geld, und das befristet auf sieben Jahre. Der Bund gibt für sehr, sehr viele andere Dinge deutlich mehr aus. Am Ende diskutiert man darüber aber mit zwei sehr populistischen Schlagworten. Warum das so ist? Ich kann es nicht beantworten.

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Das Paket als Ganzes bringt eindeutig mehr Vor- als Nachteile»

Ich habe manchmal das Gefühl, dass es die Vorlage als solche allen recht machen will, aber trotzdem jede und jeder einen Punkt findet, der ihm oder ihr nicht gefällt. Ist es ein unglücklich geschnürtes Paket?

Das Paket, das Bundesrätin Simonetta Sommaruga ins Parlament gebracht hat, war kleiner. Erst in der Diskussion im Parlament gab es Stimmen, welche sich an der Onlineförderung gestört haben, andere fanden, man solle die Printmedien nicht so stark unterstützen. Das Paket ging ja mehrmals hin und her zwischen National- und Ständerat. Am Ende hat man sich auf einen Kompromiss geeinigt, der sehr vielen gerecht wird, aber wo auch viele etwas finden, woran sie etwas aussetzen können. Das wird dieser Vorlage möglicherweise zum Verhängnis. Man kann ja nicht nur zu einzelnen Elementen Ja sagen, sondern nur zum Paket als Ganzem. Und dieses bringt eindeutig mehr Vor- als Nachteile.

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Ohne Gebührengelder könnte man im Berggebiet weder Lokalradio noch Lokalfernsehen betreiben.»

Somedia ist als Unternehmen selber betroffen vom Medienpaket. Wie ist bei Ihnen heute das Verhältnis zwischen Subventionen und privat erwirtschafteten Mitteln?

Wir müssen unterscheiden zwischen elektronischen Medien, also Radio und Fernsehen, einerseits sowie Online und Zeitung andererseits. Bei den elektronischen Medien macht der Anteil der Subventionen einen sehr grossen Teil aus. Ohne Gebührengelder könnte man im Berggebiet weder Lokalradio noch Lokalfernsehen betreiben. Niemand anderes hat sich um die TV-Konzession für die Region Südostschweiz beworben. Dann kann es nicht wirklich ein lukratives Geschäft sein. Und das ist es auch nicht. Das Geld, das wir in diesem Bereich erhalten, dürfen wir nur für Radio und Fernsehen verwenden; diese dürfen auch keinen Gewinn machen. Im Bereich Online und Zeitung machen die Unterstützungen, welche wir bisher über die indirekte Presseförderung erhalten, einen tiefen einstelligen Prozentsatz aus, also eigentlich fast nichts.

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Im digitalen Geschäft sind unsere Mitbewerber Google und Facebook, da kann man nicht einfach mit 50 000 oder 100 000 Franken Investitionen etwas bewegen»

Gerade im Onlinebereich ist es schwierig, eine Grenze zu ziehen: Wie lange ist es privat, wann wird es öffentlich? Wo zieht Somedia hier die Grenze?

Ich habe mir diese Frage noch gar nie so gestellt. Wenn das Medienpaket angenommen würde, würde der Anteil von Staatsgeldern zehn Prozent nicht überschreiten. Es bleibt also auch in Zukunft ein sehr kleiner Teil, und das ist auch richtig so. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir uns aus privaten Mitteln – über Werbung, über Abos, oder über andere Modelle – finanzieren müssen. Beim Gesetz geht es um eine befristete Überbrückungshilfe von sieben Jahren. Die Gelder sollen vor allem den kleinen, den lokalen und regionalen Medienhäusern helfen, die Transformation vom angestammten ins digitale Geschäft überbrücken zu können. Denn dort sind unsere Mitbewerber Google und Facebook, da kann man nicht einfach mit 50 000 oder 100 000 Franken Investitionen etwas bewegen. Da braucht es entsprechende Mittel, und diese fehlen den kleinen und regionalen Medien.

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Wir können nicht einfach sagen, dass wir nicht mehr drucken und verteilen. Dann sind 90 bis 95 Prozent unserer Einnahmen weg.»

Wenn wir uns die Vorlage im Detail ansehen, fliesst sehr viel Geld in die indirekte Förderung der Zeitung, also zum Beispiel an die Post, für die Zustellung. Wie erklären Sie einem Jugendlichen, der vorwiegend digital unterwegs ist, dass massiv in alte Strukturen investiert werden soll?

(überlegt lange) Wir haben in den vergangenen zwei Jahren von Somedia aus einen Test in zwei Gemeinden gemacht, in denen wir unsere Frühzustellung nicht mehr länger finanzieren konnten. Wir haben den betroffenen Abonnentinnen und Abonnenten angeboten, dass wir ihnen stattdessen ein Tablet schenken, damit sie die Zeitung digital lesen können. 70 Prozent haben sich dagegen entschieden und wollten weiterhin die gedruckte Zeitung, obwohl sie jetzt erst am Mittag mit der Post ankommt. Ein grosser Teil unserer Abonnentinnen und Abonnenten will die gedruckte Form also weiterhin. Wir können nicht einfach sagen, dass wir nicht mehr drucken und verteilen. Dann sind 90 bis 95 Prozent unserer Einnahmen weg. Die Unterstützung, welche das Medienpaket vorsieht, soll uns helfen, in digitale Geschäftsmodelle für die künftigen Generationen zu investieren, ohne die gedruckte Zeitung zu vernachlässigen oder sie sogar in den nächsten Jahren einzustellen. Das ist der Kern der Vorlage. Wir erhalten Unterstützung, für das, was da ist – nicht, um es für immer und ewig zu erhalten, sondern um es zu transformieren in die digitale Welt.

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Die Jugendlichen, die sich über Social Media informieren, werden indirekt auch durch uns, durch die Zeitung, informiert.»

Denken Sie, dass bei den Jugendlichen, die keinen Kontakt zur gedruckten Zeitung mehr haben, der Wille da ist, die anderen mitzufinanzieren in einem Bereich, der doch einen grossen Teil dieses Pakets ausmacht?

Ich hoffe, dass der Wille da ist. Ich glaube, so solidarisch sind wir in der Schweiz. Es ist aber so, dass in diesem Paket auch Onlinemedien gefördert werden, welche eher für Jugendliche oder jüngere Leserinnen und Leser gedacht sind. Wenn ich mich heute auf Social Media bewege, egal auf welcher Plattform, sehe ich oft ganze Zeitungsseiten von uns, die jemand aus dem Internet kopiert hat und über Social Media verteilt. Die Jugendlichen, die sich über Social Media informieren, werden indirekt auch durch uns, durch die Zeitung, informiert. Das ist ihnen vielleicht einfach nicht so bewusst. Ich glaube, das muss man ihnen bewusst machen. Denn wenn die Zeitungen erst einmal verschwunden sind, werden sie nie wieder kommen. Dann ist der Journalismus aus den Regionen für immer verschwunden.

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Die nächste Frage ist auch: Wer ist denn der Staat?»

Auch die Förderung der Onlineangebote ist umstritten. Digitale Medien sollen bis zu 60 Prozent ihres Umsatzes aus staatlichen Geldern erhalten. Kann man da wirklich noch von einer publizistischen Unabhängigkeit sprechen?

Ja, davon bin ich überzeugt. Die 60 Prozent gelten ja nur solange, bis das jeweilige Medium einen grösseren Teil an Einnahmen hat. Sie sind das Maximum, das man erhalten kann, quasi eine Start-up-Förderung. Das Interesse muss aber sein, mehr Einnahmen von den Nutzerinnen und Nutzern zu erhalten, und damit sinkt auch die Staatshilfe. Wir kennen das ein wenig von Radio Südostschweiz und TV Südostschweiz. Dort haben wir auch einen relativ hohen Anteil von Gebührengeldern, die wir erhalten. Wenn ich meine Journalistinnen und Journalisten aber frage, ob sie vom Staat abhängig seien oder der Staat ihnen dreinrede, würden das alle verneinen. Die nächste Frage ist auch: Wer ist denn der Staat? Welche Partei ist damit gemeint? Nehmen Sie den Bundesrat; die sieben Mitglieder sind sich auch nicht immer einig. Von wem also sollen wir abhängig sein? Diese Frage konnte mir bis jetzt noch nie jemand beantworten.

Radio- und TV-Stationen profitieren ebenfalls vom Medienpaket. Radio Südostschweiz erhält heute 3,16 Millionen Franken und TV Südostschweiz 4,9 Millionen Franken an Gebührengeldern. Bei einer Annahme der Vorlage wären es mehr. Wissen Sie, wie viel Geld bei einer Annahme der Vorlage ganz konkret an den Somedia-Konzern fliessen würde?

Nein. Bei Radio und TV ist es völlig offen, dort ist noch nicht definiert worden, wie das Geld verteilt werden soll. Es ist nicht einmal festgelegt, dass überhaupt mehr Geld fliesst. Im Gesetz steht nur, dass der Bundesrat die Möglichkeit hat, den Gebührenanteil der Privaten an den Gesamteinnahmen von heute sechs auf acht Prozent zu erhöhen. Wie die Mittel genau verteilt werden, ist nicht festgelegt. Dort spekulieren wir auch nicht, wir wissen auch nicht, ob wir überhaupt einen Franken mehr erhalten würden.

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Wir können uns bei einem Ja nicht einfach zurücklehnen und sagen, jetzt sei alles gut. Wir müssen das Geld in Zukunftsprojekte stecken.»

Für den Onlinebereich würden Sie sicher Geld erhalten. Was würden Sie mit diesen Mitteln machen? Fliesst das in mehr Arbeitsplätze, fliesst es ins Angebot?

Bei Zeitung und Online kann man besser abschätzen, wie viel Geld es wäre. Es wäre vermutlich ein tiefer siebenstelliger Betrag. Dort gibt es ganz verschiedene Verwendungszwecke, die uns vorschweben. Einer davon ist die Zustellung in den Regionen. Heute sind wir diesbezüglich in einem grossen Bereich unseres Einzugsgebiets defizitär. Da müssen wir uns überlegen, wie wir das sicherstellen können. Da geht es auch um über 350 Arbeitsplätze. Weiter müssen wir sicher in die digitale Transformation investieren, denn das Paket ist befristet. Wir können uns also nicht einfach zurücklehnen und sagen, jetzt sei alles gut. Wir müssen das Geld in Zukunftsprojekte stecken. Und sicher werden wir in den Journalismus investieren. Wir versprechen ja, dass wir den Lokal- und Regionaljournalismus pflegen. In diesen soll ebenfalls ein Teil des Geldes fliessen.

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Wir investieren seit vielen Jahren einen siebenstelligen Betrag in digitale Produkte von Somedia.»

Man spricht immer von der Digitalisierung, die gefördert werden soll. Was heisst das in Ihrem Fall ganz konkret?

Wir investieren seit vielen Jahren einen siebenstelligen Betrag in digitale Produkte von Somedia. «linthzeitung.ch» beispielsweise ist nicht gratis. Da probieren wir aus, was funktioniert, wie wir ein Geschäftsmodell finden können, das für uns funktioniert, das auch in unserer Region funktioniert. Obwohl wir schon viel Geld investieren, haben wir im Vergleich zu den grossen Playern auf dem Markt natürlich ein minimales Entwicklungsteam. Da könnten wir mit dem Geld aus dem Medienpaket viel schneller viel mehr ausprobieren. Pläne haben wir auch bei den Lokalzeitungen, die in den verschiedenen Tälern die lokale Politik verfolgen, die den Vereinen und dem Gewerbe eine Stimme geben. Auch für diese Lokalzeitungen wollen wir digitale Plattformen schaffen.

Denken Sie, dass die sieben Jahre, auf welche die Unterstützung beschränkt ist, für den Wandel reichen werden?

Es ist sportlich. Es ist im Parlament auch darüber diskutiert worden, ob es zehn Jahre sein sollten. Das Parlament wird nach vier Jahren darüber beraten, wie es weitergehen soll. Ich bin überzeugt, dass es nicht gleich weitergehen wird. Die Printmedien werden in sieben Jahren weniger erhalten. Ich glaube aber auch nicht, dass die Medienförderung in sieben Jahren komplett vom Tisch ist. Es wird sie weiter brauchen, aber vermutlich weniger umfangreich.

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Ich bin sicher, wenn die grossen Medienunternehmen gar kein Geld mit den Zeitungen mehr verdienen, stossen sie diese ab oder stellen sie ein; eine Quersubventionierung wird nicht stattfinden.»

Die Gegnerinnen und Gegner der Vorlage stören sich daran, dass ein grosser Teil der Subventionen an die grossen Player auf dem Schweizer Markt fliessen soll: TX Group, Ringier, CH Media, die NZZ – wenige also, die schon viel haben, die aber mitverantwortlich sind für die Medienkonzentration in der Schweiz. Wie erklären Sie den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern, dass die, die viel haben, noch mehr bekommen sollen?

Hier muss ich etwas klarstellen. Die grossen Medienunternehmungen, nehmen wir als Beispiele die TX Group und Ringier, verdienen heute ihre grossen Gewinne nicht mehr mit den Zeitungen, sondern mit Online-Marktplätzen. Ich bin sicher, wenn sie gar kein Geld mit den Zeitungen mehr verdienen, stossen sie diese ab oder stellen sie ein; eine Quersubventionierung wird nicht stattfinden. Was man aber auch wissen muss: 75 Prozent der vorgesehenen Medienförderung fliessen an die kleinen und mittleren Verlagshäuser, und nicht zu den grossen. Dass Letztere auch etwas erhalten sollen, finde ich grundsätzlich fair. Auch sie geben Zeitungen heraus wie den «Werdenberger & Obertoggenburger» und das «Grenchner Tagblatt» oder die «Nidwaldner Zeitung». Auch sie tun etwas für den Service public in den Regionen. Aber das Gesetz ist so ausgelegt, dass die grossen Verlage proportional weniger erhalten als die kleinen und mittleren. Hier war der Wille von Bundesrat und Parlament absolut klar, nur die Gegnerinnen und Gegner der Vorlage machen jetzt etwas anderes daraus.

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Ich fürchte, dass bei einem Nein nicht alle Medienangebote im Linthgebiet überleben werden.»

Kehren wir zurück zum Kanton St. Gallen. Somedia ist hier ein wichtiger Teil der Medienlandschaft. Welche Konsequenzen hätte Ihrer Meinung nach ein Nein zum Medienpaket für den Medienplatz St. Gallen?

Wir haben rund zehn verschiedene Medienangebote, die aus dem oder über das Linthgebiet berichten. Von diesem gehören zwei zur Somedia. Ich bin überzeugt, dass die Gegnerinnen und Gegner der Vorlage ein Nein am 13. Februar als grundsätzliches Nein zu jeder Medienförderung auslegen werden. Es wäre naiv zu glauben, dass in diesem Fall ein neues Gesetz kommen wird. Ich denke, auch die SRG wäre betroffen, weil die Initiative zur Halbierung des Budgets der SRG bei der SVP bereitliegt. Sie würde bei einem Nein am Abend des 13. Februar lanciert werden. Ich fürchte, dass bei einem Nein nicht alle Medienangebote im Linthgebiet überleben werden. Man wird es noch eine Weile versuchen, aber ich bin sicher, nach fünf Jahren wäre die Medienlandschaft im Linthgebiet ärmer an Angeboten als heute.

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Wir würden ganz sicher noch einmal über die Bücher gehen und nach Möglichkeiten für Einsparungen suchen müssen.»

Wenn wir auf Somedia schauen: Welche Folgen hätte ein Nein wirtschaftlich und publizistisch konkret?

Wir würden ganz sicher noch einmal über die Bücher gehen und nach Möglichkeiten für Einsparungen suchen müssen. Naheliegend ist die Zustellung, weil wir dort schon heute defizitär sind und das Medienpaket ja genau diese unterstützen würde. Die Frage ist weiter, ob die Erscheinungsfrequenz oder der Umfang von verschiedenen Medienprodukten reduziert würde. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, bevor es zur Einstellung von Medien käme. Ich glaube auch nicht, dass es eine Sofortreaktion geben würde, es wäre mehr ein schleichender Prozess.

Die «Linth-Zeitung» würde es also auch weiterhin geben?

Am 14. Februar auf jeden Fall, das ganz sicher.

Und wie lange dann doch?

Das weiss ich nicht. Am Ende entscheiden die Abonnentinnen und Abonnenten sowie die Werbekunden, wie lange eine Nachfrage besteht.

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Ich glaube, es wird ähnlich eng wie im Jahr 2015 bei der Revision des Radio- und TV-Gesetzes.»

Die letzte Frage: Ihr Tipp, wie wird die Abstimmung ausgehen? Welche Prozentzahl steht am Ende auf dem Monitor?

Bisher war es immer so, dass bei Umfragen zu Medienvorlagen der Ja-Stimmen-Anteil unterschätzt wurde. Ich glaube, es wird ähnlich eng wie im Jahr 2015 bei der Revision des Radio- und TV-Gesetzes. Damals haben 3000 Stimmen den Unterschied ausgemacht. Darum werden wir uns bis zum letzten Tag für ein Ja einsetzen.

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