Den Kitas gehen die Spender verloren
Das Problem scheint gar nicht so sehr, dass rund 100 Kindertagesstätten (Kitas), die bisher steuerbefreit waren, im Kanton Zürich nun plötzlich Steuern bezahlen müssen. Die überwiegende Mehrheit der Kitas strebt ohnehin keinen Gewinn an.
Da Gewinne von Vereinen und Stiftungen – Kitas weisen häufig eine dieser Rechtsformen auf – erst ab 10 000 Franken besteuert werden, dürfte das in vielen Fällen gar kein Thema sein.
Spenden sind im Budget
Schwierig ist für die Kitas hingegen, dass sie im Kanton Zürich das Label «gemeinnützig» verlieren. Wer einer Kita künftig Geld spendet, kann den Betrag bei seiner Steuererklärung damit nicht mehr abziehen. Die Folge: Kitas werden für Leute, die bereit sind etwas zu spenden, als Empfänger weniger attraktiv. Nun mag man sich fragen: Wer um Himmels Willen spendet schon Geld an eine Kita?
Laut Nadine Hoch, der Geschäftsleiterin von Kibesuisse, dem Verband Kinderbetreuung Schweiz, ist das Problem gravierend: «Es ist üblich, dass an Kitas Geld gespendet wird.» Das gelte insbesondere für einmalige Investitionen; etwa für Renovationen oder Anschaffungen. «Ausgaben also, welche sich viele Kitas aus den laufenden Einnahmen schlicht nicht leisten könnten», sagt Hoch. Viele Kindertagesstätten würden also mit Spendengeldern budgetieren.
Hoch hat kein Verständnis dafür, dass der Kanton Zürich den Institutionen, auch den Tagesfamilienorganisationen, die Gemeinnützigkeit aberkannt hat. Die Mehrheit der Betreuungsanbieter sei nicht gewinnorientiert. Vielmehr würde ein Drittel der Kitas Verluste einfahren. «Kitas sind zur Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit nicht mehr wegzudenken. Heute nehmen sie einen Service Public wahr», sagt Hoch.
Das decke sich auch mit der Empfehlung der Schweizerischen Steuerkonferenz, Kitas nicht zu besteuern. «Mir ist neben Zürich kein Kanton bekannt, der sich nicht an diese Empfehlung hält», sagt Hoch. Allerdings befürchtet sie, dass andere Kantone dem Zürcher Beispiel folgen könnten.