Ruf nach einer anderen Zukunft
Umrahmt von einem ansehnlichen Polizeiaufgebot feierten die Demonstrierenden ihren Protest. Die Stimmung war aufgeräumt und friedlich, die verschiedenen Ansprachen wurden – wo sie nicht nur «Lauter»-Rufe auslösten – von dann umso lauteren Parolen unterstützt. Zahlreiche bunt verkleidete Aktivisten versuchten, mit Passanten ins Gespräch zu kommen und ihre Anliegen so zu platzieren. Am meisten Personen stellten wohl die «Strike WEF»-Aktivisten, die am Samstag und Sonntag von Küblis mit Übernachtung in Klosters nach Davos gewandert waren. Beim Queren der Kantonsstrasse am Mittag hatten sie sich im Laret sehr viel Zeit gelassen und die Gelegenheit genutzt, um auf der Strasse zu singen und zu tanzen. Sogar Fondue sei gekocht worden, hiess es vonseiten der Polizei. Nach einer Stunde war der Spuk vorbei und die Aktivisten auf dem Weg auf den Wolfgang, von wo sie mit einem Extrazug nach Davos Platz und zur Demonstration auf dem Postplatz gelangten. Der durch die Strassenblockierung entstandene Stau reichte Richtung Klosters bis nach Selfranga und auf Davoser Seite bis zum Seebüel.
Auf dem Postplatz vereinigten sich die Strike-WEF-Wandernden dann mit den organisierenden Jungsozialisten Graubünden und verschiedenen anderen Protestgruppen. Die angesprochenen Themen waren genau so vielfältig wie die Teilnehmenden. Es wurde ein freies Palestina gefordert, den Abzug russischer Truppen aus der Ukraine und generell das Ende einer Produktion von Angriffswaffen. Das dominierende Thema war aber die Klimakrise. Man müsse die Verursacher, die gleichzeitig auch die Profiteure seien, in die Pflicht nehmen, hiess es es etwa, und klar war, auf wen die Aussagen abzielten: Die an der Jahrestagung des World Economic Forum versammelte Wirtschaftselite. So blieben denn auch die üblichen Forderungen nicht aus: Die Superreichen sollen besteuert, die Konzerne zerschlagen und die Macht dem Volk zurückgegeben werden. «Das aktuelle System löst keine Probleme», stellte Malina Liebsch von der Juso Graubünden in einer Ansprache fest. Doch der Winternachmittag trug das seinige bei, dass die Veranstaltung nicht ausuferte. Schon bald stellten sich die hungernden und frierenden Demonstrationsteilnehmenden zur Ausgabe der Suppe an. Wer mochte, verschob sich anschliessend zur Nach-Demo-Party in die «Box» oder machte sich auf die Rückreise ins Unterland.