Delfin Mimmo lebt gut in Venedig – aber auch gefährlich
Touristenliebling
Der Delfin Mimmo ist in Venedig zur Attraktion geworden. Doch so entzückend die Bilder des Delfins zwischen den für die norditalienische Stadt typischen Gondeln und Wassertaxis auch sind – Experten sorgen sich um Mimmo.
Denn der Delfin bewegt sich in einem Hotspot menschlicher Aktivität, was mehrere Risiken für das Tier mitbringt, wie ein Team um Guido Pietroluongo von der Universität Padua im Fachblatt «Frontiers in Ethology» erklärt. Mimmo habe sich zwar in dem ungewöhnlichen Lebensraum gut eingelebt. Die grösste Gefahr für ihn aber seien die Menschen.
Vor allem unvorsichtig gesteuerte Boote, überhöhte Geschwindigkeiten und zu aufdringliche Annäherungen könnten dem Tier schaden, heisst es in dem Fachartikel. Besonders kritisch sehen die Experten seinen wiederholten Aufenthalt im stark befahrenen Becken von San Marco – direkt vor dem Markusplatz, einem der meistbesuchten Orte der Lagunenstadt. Dort drohen Verletzungen durch Propeller oder Stress durch permanente Störungen.
Das Team beobachtet den allein lebenden Delfin seit seiner ersten Sichtung im Juni vergangenen Jahres systematisch. Über mehrere Monate – bis Dezember – dokumentierten die Forscher seine Bewegungen in der Lagune. Demnach ernährt sich Mimmo regelmässig von Meeräschen und verhält sich typisch für seine Art. Grosse Tümmler gelten als besonders anpassungsfähig.
Forscher: Verhalten der Menschen lenken, nicht des Delfins
Historisch waren sowohl Grosse Tümmler (Tursiops truncatus), zu denen Mimmo gehört, als auch Gemeine Delfine (Delphinus delphis) in der gesamten Adria verbreitet – auch in der Lagune von Venedig. Während die Bestände der Gemeinen Delfine bereits vor Jahrzehnten durch menschliche Einflüsse drastisch zurückgingen, kommen Grosse Tümmler in der Adria weiterhin vor, meiden jedoch üblicherweise die Lagunenbereiche. Gerade deshalb ist Mimmos dauerhafte Präsenz dort so ungewöhnlich.