Die DZ wird zur «grünsten» Zeitung weltweit
«Was», fragte sich Naira Z., eine junge Davoserin mit einem Abschluss in Lebensmittelchemie, «was, wenn wir aus den Stössen von gelesenen Zeitung ein Lebensmittel machen könnten?» Ihren Namen verraten wir hier bewusst nicht, denn die eine Zutat, die aus Zeitungspapier eine Backzutat macht, ist eigentlich ganz einfach und in jeder Haushaltung zu finden. Daher fürchtet Naira Nachahmer für ihre bahnbrechende Erfindung und will sich noch schützen, solange ihr Start-up noch nicht eingetragen und ihre Idee patentiert ist. Denn – und das wissen viele nicht – um die Farben aus dem Papier herauszubekommen, reicht Seife und ein gründlicher Waschgang. Unter Zugabe der Geheimzutat tüftelte Naira im Keller ihres Elternhauses, bis sie eine Art Oblate erzeugt hatte, die essbar ist. Doch wer will schon einen solchen papierartigen, geschmacklosen Teller?
DZ und Schneiders an Bord
Dies war der Moment, an dem sich Naira an die Redaktorin der DZ wandte. Mehl müsste es sein, war sofort der Gedanke, und in der Bäckerei Schneiders fand Naira ein innovatives Unternehmen, das bereit war, den Versuch zu wagen. «Der erste Teig misslang völlig», erinnert sich deren Produktionsleiter Mathias Heller. «Wir vermischten das Zellulose-Mehl je zur Hälfte mit normalem Weizenmehl.» Doch die Backeigenschaften waren nicht befriedigend. «Die Mischung wurde nicht homogen, lief auseinander und ging auch nicht richtig auf.» Es brauchte einige weitere Versuche, bis mit einem Anteil an Zellulose-Mehl von nur noch 25 Prozent ein verarbeitbares und optisch zufriedenstellendes Produkt entstanden war. Geschmacklich überzeugte das Produkt jedoch noch nicht. «In der Verkostung schmeckten wir noch letzte Reste der Seife heraus. Daher entschieden wir uns, eine kräftige Geschmackskomponente hinzuzufügen, und sind jetzt restlos begeistert vom Resultat», schwärmt Heller vom so entstandenen Früchtebrötchen. Dazu kommt der Gesundheitsvorteil des neuen Produktes. «Wir mischen da einen Viertel Ballaststoff bei. Zusammen mit den Früchten, die ohnehin gesund sind, macht das eine gute Verdauung.»
«Leserli» werden geboren
Im Lauf einer gemeinsamen Verkostung mit dem Team der DZ wurden die Brötli auf den Namen «Leserli» getauft. Denn die Davoser Zeitung ist ebenfalls begeistert von der Idee und unterstützt das Projekt mit übrig gebliebenen Zeitungen sowie dem Marketing nominell wie finanziell. «Die ‹Tafaaseri› entsteht hier und berichtet über Davos. Da ist es nur folgerichtig, sie in Davos weiterzuverarbeiten», findet Geschäftsleiter Hanspeter Stiffler.
Holen Sie sich ihr «Leserli»
Am Dienstag, 1. April, erhält die Leserschaft der Davoser Zeitung daher Gelegenheit, das Produkt ein erstes Mal zu probieren. Sie erhalten in den Schneiders Filialen im Spar Dorf und im Rätia am Platz je ein «Leserli» geschenkt. An diesen Orten stehen auch bereits Zeitungssammler bereit, wo der Ausgangsstoff für weitere «Leserli» deponiert werden kann. «Ich bin unheimlich gespannt, wie meine Idee ankommt und ob sich die Davoser für diese Art von Weiterverarbeitung begeistern lassen», sagt Naira. «Wenn dieser erste Schritt klappt, könnte daraus noch ganz viel entstehen.»