Davos war auf den WEF-Schock vorbereitet
Die Nachricht, dass das World Economic Forum (WEF) im Januar 2021 nicht stattfindet, wird bedauert und sorgt in Davos für Unsicherheit. Die Absage trifft Davos wirtschaftlich knüppelhart, wirklich überrascht hat der Entscheid jedoch nicht, wie eine Umfrage zeigt.
Schwer betroffen ist die Hotellerie/Gastronomie. Hier sorgten die WEF-Teilnehmer stets für prall gefüllte Kassen. Für Erich Schmid, Besitzer des Davoser 4-Stern-Hotels «Europe», wäre es das 31. WEF gewesen. Er sagt: «Man musste mit der Absage rechnen. Ich wusste, dass das WEF wackelt.» Er habe Respekt vor der Lücke, das Problem sei speziell auch der Verlust der vielen durch das WEF generierten Veranstaltungen im Haus. «Wir hatten richtig viele Anlässe, das fällt jetzt alles weg, es geht um einen grossen Umsatz.»
Für dieses Szenario geplant
Auch Mario Gubi, Direktor des Davoser Luxushotels und WEF-Hotspots «Intercontinental», erklärt auf Anfrage, dass man ein Stück weit mit der Absage gerechnet hat. «Es ist sehr, sehr schade. Wir haben das Szenario miteingeplant, dass es nicht stattfinden könnte.» Momentan sei vorgesehen, das Hotel im Winter trotzdem zu öffnen. Zum am WEF erzielten Umsatz äussert sich Gubi nicht, er hoffe aber, dass man den Ausfall so gut wie möglich kompensieren könne.
Von der Absage ebenfalls direkt betroffen ist die Bäckerei Weber in Davos Dorf, ein Familienbetrieb. Geschäftsführer Adrian Weber hält fest: «Da die Hotels voll waren, hatten wir bisher immer sehr schöne Lieferaufträge. Auch das Kongresszentrum durften wir mit Brot bedienen.» Logisch werde man im Januar weniger Umsatz verbuchen – und «es wird nicht möglich sein, diesen eins zu eins zu ersetzen». Weber bedauert die Absage, diese sei aber absehbar gewesen. «Auf der anderen Seite finde ich es positiv, dass jetzt schon ein Entscheid gefällt wurde. Denn dann können alle planen.» Es sei im Moment sehr ungewiss, wie die kommende Wintersaison verlaufen werde, doch er hoffe im Positiven darauf, dass in der WEF-Woche Individualgäste und Zweitwohnungsbesitzer Davos besuchen würden, meint Weber.