Das zwiespältige Comeback von Serena Williams
Serena Williams' Comeback nach vier Jahren mit einer Erstrunden-Niederlage in Wimbledon lässt viele offene Fragen zurück. Selber beantwortet sie keine.
Eine halbe Stunde nach der Dreisatz-Niederlage gegen die Weltnummer 87 Maya Joint meldet der Lautsprecher im Mediencenter von Wimbledon noch immer die gleiche Nachricht: «Wir warten auf ein Update von Serena Williams.» Wenig später wird dann Gewissheit, was die etwas erfahreneren Journalisten bereits geahnt haben: «Leider kann Serena Williams heute Abend keine Medientermine wahrnehmen.» Die Vermutung: Die 44-jährige Amerikanerin hat keine Lust, ihre eigentlich obligatorische Pflicht zu erfüllen und Fragen zu beantworten.
Erst am nächsten Tag lieferte Williams eine Begründung für den abgesagten Medientermin via ihre Agentin und der Nachrichtenagentur AP. Williams habe sich Ende des ersten Satzes eine Blessur am Knie zugezogen und war daher von Medienterminen befreit. Sie tue alles, um für das Doppel mit ihrer Schwester Venus bereit zu sein.
Fragen hätte es eine Fülle gegeben. Die mit 23 Grand-Slam-Titeln erfolgreichste Spielerin der Profiära machte vier Jahre nach ihrem Rücktritt und als mittlerweile zweifache Mutter einen zwiespältigen Eindruck. Sie hielt mit der 24 Jahre jüngeren Australierin Maya Joint durchaus mit und zeigte auch einige ihrer grossen Stärken, die sie zur Sportlegende gemacht haben.
Krachende Aufschläge, fehlende Fitness
Mehrere Male donnert sie auf dem wegen der drohenden Dunkelheit geschlossenen Centre Court Aufschläge mit 190 und mehr km/h ins Feld, so unter anderem, als sie im Tiebreak des zweiten Satzes einen Matchball brillant abwehrt. Zweimal holt Williams im zweiten Durchgang einen Breakrückstand auf und erzwingt schliesslich einen Entscheidungssatz. Sie hat das Tennisspielen nicht verlernt, so viel ist klar.
Auf der anderen Seite begeht die Amerikanerin viele Fehler und bewegt sich schlecht. Immer wieder wird sie von der Gegnerin auf dem falschen Fuss erwischt oder versucht gar nicht erst, nach einem Ball zu laufen. Und im dritten Satz, in dem sie noch mit einem Break führt, baut Williams körperlich deutlich ab und gewinnt nur noch eines der letzten sechs Games.