Das Wiedersehen von Yakin und Petkovic
Vor dem WM-Sechzehntelfinal gegen Algerien erinnert sich Murat Yakin an ein Praktikum, das er einst bei Vladimir Petkovic absolvierte. Petkovic hingegen schiebt den Druck elegant den Schweizern zu.
Sieben Jahre lang hat er den Schweizer Fussball geprägt, und seine 78 Länderspiele als Nationaltrainer sind bis heute unerreicht. Nun kommt es für Vladimir Petkovic zu einem ganz besonderen Wiedersehen mit der Schweizer Nationalmannschaft.
Es sei für ihn durchaus speziell, auf alte Bekannte zu treffen, sagt der bald 63-Jährige an der Pressekonferenz in Vancouver. So sei ihm auf dem Weg sein ehemaliger Schützling Blerim Dzemaili begegnet, der inzwischen für das italienischsprachige Schweizer Fernsehen arbeitet. «Es ist immer schön, ein bisschen in Erinnerungen zu schwelgen», sagt Petkovic. Doch dafür sei nach dem Abpfiff noch genug Zeit.
Dem Tessiner ist vor allem eines wichtig: «Es ist kein Duell Petkovic gegen Yakin, sondern ein Duell zwischen zwei Mannschaften, die sehr guten Fussball spielen.» Dass er, seit dem Frühjahr 2024 algerischer Nationalcoach, bis vor fünf Jahren noch die Schweiz trainierte, sieht Petkovic nicht als grossen Vorteil: «In der Fussballwelt kennt jeder jeden, es gibt praktisch keine Geheimnisse mehr.»
Gemeinsame Zeit in Bern
Das sieht auch Yakin so, der ebenso wie Petkovic nicht von einem reinen Trainerduell sprechen möchte: «Am Ende wird die Partie von den Spielern auf dem Platz entschieden», betont der aktuelle Nationaltrainer, dem auf Petkovics Rekordmarke noch 16 Spiele fehlen.
Auf seinen Vorgänger angesprochen, blickt aber auch Yakin kurz zurück. Während seiner Trainerausbildung habe er einst eine kurze Stage, also ein Praktikum, bei Petkovic absolviert. Damals war Yakin beim FC Thun und Petkovic bei den Berner Young Boys engagiert. «Ich schätze ihn sehr», sagt Yakin. «Es ist schön, dass wir uns nun auf dieser Bühne wiederbegegnen.»
Und obwohl beide das Trainerduell herunterspielen, wird sich zeigen, ob der einstige Lehrling nun die Meisterprüfung besteht. Denn Yakin und das Schweizer Nationalteam verfolgen nach wie vor das ambitionierte Ziel, die beste WM-Kampagne aller Zeiten zu spielen. Dafür muss die Schweiz erstmals seit der Einführung von Gruppenphasen ein K.o.-Spiel bei einer WM überstehen. Entscheidend sei dafür, von der ersten Minute an Präsenz zu markieren, sagt Yakin. «Wir brauchen die volle Konzentration, denn Algerien verfügt über individuell herausragende Spieler.»
Die Frage nach dem Druck und der Effizienz
Auch Petkovic betonte, dass auf seine Mannschaft eine grosse Aufgabe warte. Dabei wollte er keine einzelnen Akteure wie Captain Granit Xhaka hervorheben, sondern hielt fest: «Die Schweiz ist vor allem als Kollektiv stark. Wir müssen unsere absolute Bestleistung abrufen.» Seine Mannschaft könne der Partie jedoch ohne Druck entgegenblicken, da sie mit dem Erreichen der K.o.-Phase ihr Soll bereits erfüllt habe. «Der Druck liegt ganz klar bei der Schweiz.»
Yakin kündigte an, dass sein Team versuchen werde, das gewohnte Spiel aufzuziehen: den Ball und den Gegner laufen lassen und die Lücken in der Defensive finden. Besonders im Fokus steht dabei die Effizienz – eine Qualität, die der Schweiz im bisherigen Turnierverlauf oft fehlte.
Darauf angesprochen, ob die grösste Schwachstelle der Algerier nicht zwischen den Pfosten liege, entgegnete Yakin: «Das kommentiere ich nicht. Wichtig ist einfach, dass wir ihren Goalie nicht wie gegen Katar warmschiessen.»