Das richtige Hypothekarprodukt wählen – Strategie kommt vor Struktur!
von Martin Gartmann, Leiter Privatkunden & Hypotheken der Graubündner Kantonalbank in Chur
Im Zentrum und immer am Anfang steht die Wahl der passenden Finanzierungsstrategie. Diese ergibt sich aus der individuellen Risikotoleranz der Kreditnehmerin beziehungsweise des Kreditnehmers und setzt sich aus Risikofähigkeit und Risikobereitschaft zusammen. Die Risikofähigkeit resultiert aus dem prozentualen Verhältnis zwischen der Höhe der Fremdfinanzierung (Hypothek) und dem Nettoeinkommen.
Die Risikobereitschaft ist davon abhängig, wie wohl sich die Kundin oder der Kunde mit schwankenden Zinsbelastungen aus der Hypothek fühlt.
Die richtige Strategie finden
Allgemein betrachtet können drei verschiedene Finanzierungsstrategien unterschieden werden: Sicher, Ausgewogen und Dynamisch.
- Sicher – nur geringe Zinsschwankungen sind tragbar: Die Finanzierungsstrategie «Sicher» eignet sich für Personen mit einer eingeschränkten Risikofähigkeit und einer geringen Risikobereitschaft. Möglichst stabile Zinsbelastungen führen zu einer klaren Budgetierung. Das Interesse der Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer, sich laufend mit den Finanzmärkten und der Finanzierung zu beschäftigen, ist gering.
- Ausgewogen – gewisse Zinsschwankungen können akzeptiert werden: Kundinnen und Kunden mit einer ausgewogenen Strategie sind in der Lage, schwankende Zinsbelastungen zu tragen. Eine gewisse Risikobereitschaft ist vorhanden, aber begrenzt. Der finanzielle Spielraum ist mittelfristig etwas eingeschränkt. Die Finanzmärkte werden passiv mitverfolgt.
- Dynamisch – auch grössere Zinsschwankungen sind tragbar: Eine dynamische Finanzierungsstrategie verlangt von den Kreditnehmenden eine hohe Risikobereitschaft und finanziellen Spielraum. Grössere Zinsschwankungen sind tragbar. Ein aktives Mitverfolgen des Geschehens am Geld- und Kapitalmarkt ist notwendig.