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Schweiz und Welt

Das Manko von Davos heisst «Wohnraum»

Andri Dürst
07.05.2022, 07:00 Uhr
heute um 12:16 Uhr

Die letzten zwei Pandemiejahre hätten gezeigt: Flexiblere Arbeitsmodelle in ­Bezug auf Zeit und Ort werden gemäss verschiedenen Studien zunehmend geschätzt, denn Arbeits- und Wohnort müssten künftig nicht mehr zwingend nahe beieinanderliegen. Vor diesem Hintergrund sei der grosse Anteil von 47 Prozent Zweitwohnungen eine Chance, so der «Do bin i dahai»-Bericht. Das Segment der Zweitheimischen könnte künftig vermehrt für «Workation» oder sogar zum Verlegen des Erstwohnsitzes ge­wonnen werden. Dass solche neuartigen Konzepte notwendig sind, zeigt insbesondere das Beispiel Davos deutlich auf.

Der Ort hat viel zu bieten

Im Rahmen der Studie wurden die ­Stärken und Schwächen aller Bündner Gemeinden mehrdimensional analysiert. Davos erreicht dabei im Vergleich aller Bündner Gemeinden sehr gute Noten in Bezug auf die Wohnattraktivität. «Der Zweitwohnungsanteil von 57.4 Prozent ist geringer als in anderen grossen ­Tourismusgemeinden, jedoch absolut gesehen dennoch beachtlich und liegt deutlich über dem Bündner Durchschnitt». Allerdings liege der Jugendquotient mit 28.2 Prozent etwas tiefer als der Bündner Mittelwert von 29.6 Prozent und deutlich tiefer als der Schweizer Mittelwert von 32.4 Prozent», so die Studie.

Bei den einzelnen Themen stellen die Studienautoren dem Ort beispielsweise im Bereich «Schulen und Kitas» ein sehr gutes Zeugnis aus: «Davos ist für Einheimische und Neuzuzüger mit Kindern in diesem Bereich sehr attraktiv». Auch in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Verkehrserschliessung, Co-Working-Angebote, Freizeit Sport, Freizeit Kultur und täglicher Bedarf schneidet die Gemeinde sehr gut ab. Im Mittelfeld hingegen ist man beim Arbeitsmarkt (Arbeiten ausserhalb der Gemeinde sind stets mit längeren Fahrten verbunden), bei den Steuern (Gemeindesteuerfuss 103 Prozent gegenüber Chur mit 88 respektive Laax mit 50 Prozent) sowie beim Internet (Download-Geschwindigkeit zwar sehr gut, aber Upload-Geschwindigkeit schlecht).

Schwierige Situation beim Wohnungsmarkt

Die grösste Herausforderung sei ganz klar der Bereich Wohnraum, so die Studie: «Während Davos bei vielen Standortfaktoren hervorragend aufgestellt ist, stellt der fehlende Wohnraum in einem bezahlbaren Preissegment ein echtes Hindernis zur Weiterentwicklung der ­Gemeinde dar». Mit durchschnittlichen Preisen von mehr als 1.6 Millionen Franken für Einfamilienhäuser beziehungsweise mit 10 000 bis 12 000 Franken pro Quadratmeter für Eigentumswohnungen gehöre Davos zu den Orten mit dem höchsten Immobilienpreisniveau in Grau­- bünden. Zudem bestünde wegen des Überbauungsgrades der Wohn-, Misch- und Zentrumszone von 87 Prozent auch nicht mehr viel Handlungsspielraum.

Weiter heisst es: «Die Gemeinde kann diese Schwäche nur mit einer aktiven Strategie und eigenen Anstrengungen verbessern. Gelingt dies nicht in einer substanziellen Art und Weise, so kann Davos das Segment der potenziellen Neuzuzüger kaum ansprechen und verliert zudem auch immer öfters einheimische Personen.» Als Empfehlung rät die Studie Folgendes: «Die naheliegendste Strategie besteht für Davos darin, den Freizeitwert weiterhin besonders attraktiv zu ge­stalten und damit Zweitheimische für häufigere oder längere Aufenthalte zu begeistern. Will die Gemeinde einen Schritt weitergehen und die Zweitheimischen zu einer Wohnsitzverlegung motivieren, dann kann sie sich punkto Steuerattraktivität noch verbessern.»

Welche Reaktionen die Studie bei der ­Regionalentwicklung Prättigau/Davos auslöste, wollte die DZ von deren Leiterin, Valérie Favre Accola, wissen. Sie ­erklärt dazu Folgendes: «Die Studie ­bestätigt die uns bekannten Trends und die damit verbundenen Herausforderungen (Handlungsfelder), die wir seitens Regionalentwicklung regelmässig thematisieren beziehungsweise mittels Projekten bereits anpacken».

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