Das «animal politique» zieht weiter
Ein «Hallo» hier, ein «Ciao, wie gahts?» dort. Wenn Beni Würth in Bern in den Zug steigt, kennt man sich. Ob der Zürcher GLP-Nationalrat Martin Bäumle oder die Basler Grünen-Nationalrätin Sibel Arslan – beide grüssen herzlich. Keine Spur von politischen Differenzen zwischen den beiden Klimapolitikern und dem bürgerlichen CVP-Mann.
In Bundesbern ist gerade ein Kapitel in Würths Politkarriere zu Ende gegangen. Am Donnerstagvormittag präsentierte er als Präsident der Konferenz der Kantonsregierung (KdK) zusammen mit Bundesrat Ueli Maurer ein gemeinsam aufgegleistes Projekt. Es ist Würths letzter Auftritt vor den Kameras als Regierungsrat. Nach neun Jahren in der St. Galler Regierung ist Schluss, sein Wirken als Präsident der KdK endet damit ebenfalls.
Wie der Politiker so der Spieler
Das Projekt, das der in Rapperswil- Jona wohnhafte Würth vorstellt, wird von Bundesrat Maurer als «ein Meilenstein in der Digitalisierung der Schweiz», bezeichnet. Eine von Bund und Kantonen gemeinsam getragene Plattform. Die Initiative sei mehrheitlich von den Kantonen – also Würth – gekommen. Würth dagegen betont mehrfach, wie wichtig die Zusammenarbeit mit dem Bund war.
Weg von der Politbühne, auf zum Fussballplatz. Würth spielt hobbymässig in der Ü50-Mannschaft des FC Wagen. Der 52-Jährige spielt etwa dort, wo er politisiert: rechtes Mittelfeld. Wenn er überhaupt spielt, denn das komme nicht so oft vor, sagt Urs Bailer, Präsident des FC Wagen und Würths Mitspieler. Nicht nur bei der Position scheint es Parallelen von Spieler zu Politiker zu geben: «Auf dem Platz antizipiert er genau, was seine Gegner machen, macht keine dummen Fehler und spielt abgeklärt. In jedem Umfeld weiss Beni, wie er sich verhalten muss», sagt Bailer. Vom Fussballpräsidenten gibt es aber auch Kritik. Und da hören die Parallelen zum Politiker Würth auf: «Er kann zwar einigermassen tschutten, aber ist einfach nicht schnell.»
Nach der Pressekonferenz im Bundeshaus verabschiedet sich Würth von seinen Mitarbeitern der KdK. Wegen Corona ohne Händeschütteln. Bloss ein paar liebe Worte. Einen Happen essen. Auf zum Bahnhof in zügigen Schritten. Rein in den Zug nach St. Gallen – das vorerst letzte Mal zwischen Bern und St. Gallen pendeln. Es gilt, das Regierungsamt zu übergeben. Mittagsmüdigkeit macht sich breit. Würth klappt den Laptop auf, schreibt E-Mails, telefoniert.
Dass Würth zügig arbeiten kann, bewies er letztes Jahr bei der Steuerreform, seiner «grössten Herausforderung als St. Galler Finanzdirektor». Er erledigte das Dossier schneller als seine Amtskollegen in anderen Kantonen. Und das trotz schwieriger Vorzeichen. Würth nannte die Reform einmal eine «Mission Impossible», weil die Fronten im St. Galler Kantonsrat so verhärtet waren. Um die verschiedenen Positionen zu vereinen, erarbeitete Würth einen Kompromiss.