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Schweiz und Welt

Coronavirus in den Schulen wäre für die Wirtschaft ein Problem

Andrina Brodbeck
04.03.2020, 08:56 Uhr
heute um 12:16 Uhr

Bis jetzt sind das Alltagsleben und die Wirtschaft, obwohl es einige bestätigte Corona-Fälle im Kanton gibt, noch nicht allzu gravierend betroffen. Sollte sich das Virus aber in Schulen, Kindergärten oder Kitas ausbreiten, könnte das ziemlich schnell zu einem Worst-Case-Szenario für viele Unternehmen führen, da die Eltern zur Betreuung der Kinder zuhause bleiben müssen und nicht arbeiten können (siehe unten). Entsprechend gut sind die Schulen im Kanton vorbereitet und setzen etwa Hygienemassnahmen rigoros um.

In der Kantonsschule Chur gehören zu den präventiven Massnahmen zusätzliche Reinigungsgänge von viel berührten Oberflächen wie Türgriffen und Computertastaturen, wie Konrektor Philippe Benguerel auf Anfrage sagt. Ausserdem seien die Lehrpersonen, Schüler und Mitarbeiter über Verhaltensregeln informiert worden. Handtücher wurden durch Papiertücher ersetzt und Klassenreisen ins Ausland seien bis Mitte April abgesagt worden. Die Projektwoche nächste Woche fände mit einem Programm, welches der Lage angepasst sei, statt.

Die Präventionsmassnahmen der Fachhochschule Graubünden umfassen Anwesenheitslisten, wie diese mitteilte. Ab Donnerstag 5. März werden die Präventionsmassnahmen eingeführt, um im Falle einer Erkrankung nachvollziehen zu können, mit wem diese Person innerhalb der Schule in Kontakt war. Ausserdem wurde vom Notfallmanagement ab sofort und bis zum 15. März alle Hochschulsport-Gruppenaktivitäten abgesagt. Von der Absage betroffen sind Fussball, Volleyball, Basketball, Yoga und Unihockey.

Keinen Urlaub für die Schülerschaft

Falls jemand von den Lehrpersonen oder der Schülerschaft an der Kantonsschule positiv auf das Coronavirus getestet würde, müsste man den Lageplan mit den zuständigen Behörden besprechen, sagt Benguerel und fügt hinzu: «Ich rechne nicht damit, dass man gleich die ganze Schule schliessen müsste.» Falls dieser Fall trotzdem eintreten sollte, könnten die Schülerinnen und Schüler Arbeitsmaterialien über den elektronischen Weg zugeschickt bekommen.

Auch im Bildungszentrum Gesundheit und Soziales (BGS) wurden ähnliche Massnahmen zur Prävention ergriffen. Flyer zu Hygienemassnahmen sowie Anleitungen für das richtige Händewaschen wurden verteilt. Laut der Direktorin des BGS, Veronika Niederhauser, würden Lehrpersonen die Flyer mit den Schülern besprechen. Desweiteren seien überall Handdesinfektionsmittel aufgestellt worden und Türgriffe, sowie Handläufe würden mehrmals am Tag desinfiziert. Trotz all den Massnahmen sagt Niederhauser: «Unser oberstes Ziel ist es, dass alle ihren Abschluss wie geplant machen können.»

Hypothetische Auswirkungen auf die Wirtschaft

Zur Zeit sind in Chur noch keine Schulen, Kitas und Kindergärten geschlossen. «Der Betrieb läuft normal», sagt der Stadtrat Patrik Degiacomi. Doch im Falle einer Schliessung der Schulen, Kitas und Kindergärten, könnte ein neues Problem entstehen. Die unter Quarantäne stehenden Kinder brauchen Betreuung. Das würde bedeuten, dass die Eltern auch zuhause bleiben müssten. Degiacomi sagt: «Massnahmen für einen Plan zur Unterstützung von Eltern müssen im Moment noch nicht ins Auge gefasst werden.» Auch Patrick Casanova vom Amt für Wirtschaft und Tourismus sagt, dass es noch zu früh sei, konkrete Pläne in diesem Stadium zu erarbeiten. Gespräche würden aber stattfinden. Dass das Coronavirus Auswirkungen auf die Wirtschaft haben werde, sei anzunehmen. «Der Erfahrungswert in einer solchen Situation ist klein, deshalb ist alles hypothetisch», sagt Casanova.

In Graubünden kann der Schulbetrieb mit minimalen Einschränkungen wie bisher weitergeführt werden. Auch in den übrigen Kantonen sind Schulschliessungen nicht vorgesehen:

«Schulschliessungen drängen sich in der Schweiz nicht auf»

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