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Schweiz und Welt

Churer Gewerbe soll sich stärker entfalten können

Patrick Kuoni
22.05.2020, 04:30 Uhr
heute um 12:16 Uhr

D er Churer Stadtrat gewährt den Gastronomiebetrieben aktuell aufgrund der Einschränkungen wegen des Coronavirus gewisse zusätzliche Rechte. So dürfen die Aussenbereiche der Gastronomie in der Altstadt neu eine Stunde länger offen bleiben – also bis 24 Uhr statt bis 23 Uhr. Dies bis Saisonende, sofern innerhalb von 30 Tagen gegen diesen Stadtratsentscheid keine Beschwerde beim Verwaltungsgericht eingeht. Ausserdem dürfen die Aus-senbereiche – wo möglich – vergrössert werden, um trotz der geltenden Abstandsregeln noch einige Gäste mehr begrüssen zu dürfen. Genutzt wird dabei der öffentliche Raum.

Auch Gewerbe soll profitieren

Ähnliches schwebt nun dem Churer Gemeinderat Mario Cortesi (SVP) auch für die anderen Gewerbetreibenden vor. Er hat an der letzten Gemeinderatssitzung einen entsprechenden Auftrag eingereicht. «Die gültigen Social-Distancing-Regeln erschweren nicht nur den Gastronomiebetrieben die Geschäftstätigkeit, sondern auch anderen Gewerbetreibenden mit direktem Kundenkontakt», begründet Cortesi sein Anliegen. Als Beispiele nennt Cortesi etwa Boutiquen, Gemüsehändler, Bäckereien, Metzgereien, Sportgeschäfte, Schuhläden und Coiffeursalons. «Wenn allen Gewerbetreibenden das Angebot auf Freiflächen offensteht, können diese bei Bedarf ihre Geschäftsflächen erweitern und trotzdem die Abstandsregeln einhalten.»

Cortesi möchte den Betrieben ermöglichen, dass sie ihre Waren auch draussen verkaufen und präsentieren können. «Damit können sie zusätzliches Geld verdienen, was in Folge der verordneten Zwangsschliessungen der letzten Wochen bei vielen willkommen sein dürfte.» Er wolle mit dieser Anschubhilfe Konkurse verhindern. Der Auftrag geniesst im Gemeinderat grossen Rückhalt. 16 von 21 Gemeinderäten von links bis rechts tragen den Auftrag mit.

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Die Stadt könnte weiter an Attraktivität gewinnen und quasi zu einem grossen Churer Markt werden.»

Cortesi sieht ausserdem noch einen weiteren Vorteil: «Die Stadt könnte weiter an Attraktivität gewinnen und quasi zu einem grossen Churer Markt werden.» Als Vergleich zieht der SVP-Ortspräsident die zahlreichen Flaniermeilen im Ausland herbei.

Marti mit Bedenken

Etwas anders beurteilt das Ganze der Churer Stadtpräsident Urs Marti. «Ich bin mir nicht sicher, ob dies der Ansatz ist, der funktioniert.» Er nennt als Beispiel die Kleiderläden. «Die Kleider sind äusseren Umständen wie beispielsweise Schmutz oder Wind ausgesetzt.»

Es stelle sich deshalb die Frage, ob diese Möglichkeit überhaupt von Geschäften in Anspruch genommen würde. «Was wir aber aktuell schon machen, ist, sehr unkompliziert Bewilligungen zu erteilen», so Marti. Dabei werde jeder Fall einzeln geprüft. Es gebe aber heute schon die Möglichkeit, Ständer oder dergleichen vor den Betrieb zu stellen. «Ein bunter Markt, wo man sich zwischen den Ständen durchschlängeln muss, ist meiner Meinung nach aber weder im Interesse der Betriebe noch der Konsumenten. ‹Die Waren gehen kaputt und werden nicht mehr verkauft›, prognostiziert Marti. Zu beachten gebe es ausserdem ähnlich wie in der Gastronomie, dass die Zufahrt für Sanität und Feuerwehr nicht beeinträchtigt werden dürfe.

Umschwung noch möglich

Trotz der Tatsache, dass 16 Gemeinderäte den Auftrag mittragen, zeigt sich Marti noch nicht überzeugt, dass er dann auch tatsächlich überwiesen wird. «Häufig ist es ja so, dass Aufträge mitunterschrieben werden, wenn sich das Anliegen gut anhört, aber in der Diskussion und auch mit der Sicht des Stadtrates kommen neue Argumente hinzu.» Es sei deshalb regelmässig der Fall, dass das Stimmverhältnis nach der Diskussion im Gemeinderat anders aussehe. Sofern der Auftrag an der nächsten Gemeinderatssitzung am 25. Juni überwiesen wird, würde der Stadtrat damit beauftragt, ein Kon- zept auszuarbeiten und den Gewerbetreibenden die erwähnte Möglichkeit anzubieten.

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