Chur zieht bei Schulimpfungen die Notbremse
von Martin Deplazes und Olivier Berger
Dass die geplante Covid-19-Impfaktion bei einem Churer Oberstufenschulhaus nicht ohne Nebengeräusche verlaufen würde, war bereits am Donnerstag klar. «Die Emotionen gehen teilweise hoch, und die Fronten sind verhärtet», sagte Kantonsärztin Marina Jamnicki vor den Medien. In einschlägigen Chats des Kurznachrichtendiensts Telegram war schon da zu lesen, dass man «entschieden und konsequent hinstehen muss, um diesen möglichen Genozid zu verhindern».
Beim Vergleich zwischen Impfaktion und Völkermord haben es die Gegnerinnen und Gegner nicht bewenden lassen. Gegenüber Radio Südostschweiz sprach Stadtrat Patrik Degiacomi gestern von Morddrohungen, welche gegen die Verantwortlichen ausgesprochen worden seien. Bereits am Samstag zog die Stadt deshalb die Notbremse: Statt wie geplant vor einem Oberstufenschulhaus würden die Jugendlichen der Churer Volksschule jetzt dezentral geimpft, hiess es in einer Medienmitteilung.
Angst vor einer Gefährdung
Die Stadt habe nicht riskieren wollen, dass es im Umfeld der Impfaktion «zu schwierigen Situationen» komme, sagte Degiacomi am Sonntag. «Die Sicherheit der Jugendlichen sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat die höchste Priorität.» Man habe deshalb «keine Form der Gefährdung provozieren» wollen.
Zu den erwähnten Morddrohungen sagte Degiacomi: «Ich bin wirklich entsetzt.» Dem Stadtrat und ihm sei wichtig, festzuhalten, dass die Entscheidung für oder gegen eine Covid-19-Impfung bei den einzelnen Menschen liege. Es gebe aber Kreise und Personen, welche diesen Entscheid für andere treffen wollten. «Das geht in keiner Art und Weise», sagte Degiacomi.