Camille Rast ist trotz Wehwehchen wieder im Gleichgewicht
Camille Rast ist bereit für den Riesenslalom-Auftakt am Samstag in Sölden und ihre zehnte Weltcup-Saison. Mit 27 Jahren ist die Walliserin mittlerweile die Anführerin der Technikerinnen bei Swiss-Ski.
Das sagt nicht Camille Rast selbst, sondern ihr Resultatblatt. Als Gesamtdritte hinter Mikaela Shiffrin und Emma Aicher hat sich die Romande aus Vétroz als eine der komplettesten Technikerinnen im Weltcup etabliert. Sie hat sich dafür einfach Zeit gelassen.
Schon früh als Supertalent angekündigt, überraschte die Walliserin dennoch alle, als sie im Januar 2017 in ihrem erst fünften Weltcup-Rennen im Riesenslalom am Kronplatz Neunte wurde. Danach dauerte es vier Jahre, bis sie im Januar 2021 mit einem 6. Platz im Slalom von Flachau wieder in die Top 10 fuhr. Noch etwas mehr Geduld brauchte es bis zum ersten Podestplatz im November 2024 im Slalom von Gurgl.
Ihr erster Sieg folgte am 1. Dezember 2024 in Killington, ebenfalls im Slalom. Seither hat Rast zwei weitere Slaloms und einen Riesenslalom im Weltcup gewonnen. Zudem wurde sie 2025 in Saalbach Weltmeisterin im Slalom und in derselben Disziplin Silbermedaillengewinnerin an den Olympischen Spielen in Cortina.
Eine gereifte Athletin
Vor dem Saisonauftakt in Sölden stellte sich Rast in Dübendorf als Anführerin der Schweizer Technikerinnen den Fragen der Medien, zum Beispiel jener nach ihren bislang vergleichsweise mässigen Resultaten in Sölden. Zwölfte 2024 und 15. im letzten Jahr, man kann nicht gerade behaupten, dass die Athletin aus Vétroz eine Liebesbeziehung mit dem Riesenslalom auf dem Rettenbachgletscher pflegt.
Wenn sie über das erste Rennen der Saison spricht, zeigt sich Rast fast ein wenig nostalgisch. «Dieses Jahr ist es zehn Jahre her seit meinem ersten Rennen in Sölden», erinnert sie sich. «Es ist so viel passiert, ich habe das Gefühl, dass man in einer Karriere im Eiltempo reift. Für uns ist eine Karriere kurz. Wenn man den Vergleich zum Alltag zieht, ist ein Jahr fast wie drei Jahre im normalen Leben. Ich glaube, es gibt nur sehr wenige Athleten, die eine Karriere ohne Rückschläge erlebt haben.»