Bündnerinnen und Bündner werden langsam wieder reisefreudiger
Mit den ersten coronabedingten Einschränkungen verging vielen auch die Lust auf Ferien. Das hatte grossen Einfluss auf die Reisebüros in Graubünden, wie eine Umfrage von Radio Südostschweiz bei vier Bündner Reisebüros zeigt.
«Zu Beginn der Pandemie hatten wir sehr viele Annullationen zu bearbeiten», erklärt Petra Moser von Bolero Reisen in Thusis. Ähnlich ging es dem Reisebüro Monami in Klosters, wie dessen Besitzer und Geschäftsführer Daniel Amez-Droz erklärt: «Wir hatten mit Umsatzeinbrüchen zwischen 75 und 95 Prozent umzugehen. Weniger wurde die Arbeit vorerst nicht, da wir viele Stornierungen, Annullationen und Rückerstattungen bearbeiten mussten.»
Kaum Stellenabbau bei befragen Reisebüros
Stellen hätten die Reisebüros keine streichen müssen, wie Oliver Gartmann von Engel Reisen in Chur und Petra Moser von Bolero Reisen in Thusis gegenüber Radio Südostschweiz sagen. Zu Entlassungen kam es auch bei anderen Reisebüros nicht. «Wir hatten einen natürlichen Abgang. Diese Stelle haben wir für acht Monate nicht besetzt. Jetzt sind wir aber wieder zu zweit», erklärt Claudio Glisenti von Glisenti Travel in St. Moritz. Beim Reisebüro Monami in Klosters habe jemand in eine andere Branche gewechselt. Diese Stelle sei nicht neu besetzt worden. «Dass wir einigermassen gut durch die Krise gekommen sind, verdanken wir auch der Unterstützung von Kanton und Bund», sagt Amez-Droz.
Weit unter dem Vor-Corona-Niveau
In allen Reisebüros hat die Nachfrage nach Reisen mit den Lockerungen der Coronamassnahmen wieder angezogen. «Wir sind aber noch lange nicht auf dem Niveau, das wir vor der Coronapandemie hatten», erklärt Gartmann.
Während der Einschränkungen seien, wenn überhaupt, Reisen in der Schweiz gefragt gewesen. Solche Reisen würden gemäss Gartmann jedoch oft ohne Reisebüros organisiert. Gesucht wurden während dieser Zeit die Destinationen mit den wenigsten Einschränkungen. «Je unkomplizierter die Bestimmungen waren, desto eher wurde dort gebucht», fasst Gartmann zusammen.
In die Nähe schweifen und den Überblick behalten
Nach den Lockerungen seien auch im Moment noch insbesondere weniger weit entfernte Reiseziele am meisten gefragt, bestätigen alle vier Reisebüros. Buchungen für Spanien, Italien und Griechenland nehmen in Moment zu. Eine grosse Herausforderung für Reisende, aber auch für die Reisebüros sind im Moment die Reisebestimmungen: «Es ist ein grosser Dschungel, und wir helfen unseren Kundinnen und Kunden dabei, die Übersicht zu behalten», erklärt Petra Moser. Ähnlich sieht es bei Engel Reisen aus, wie Gartmann erklärt. «Die Vorkenntnisse der Kundschaft sind ziemlich unterschiedlich. Mehrheitlich sind die Leute recht gut informiert. Da die Bestimmungen oft täglich ändern, ist es aber schwierig, den Überblick zu behalten.»
Persönliche Beratung blieb gefragt
Das Bedürfnis nach neuen Beratungsmöglichkeiten haben die vier Reisebüros unterschiedlich wahrgenommen. Die persönliche Beratung sei jedoch stets gefragt gewesen. Sei es durch vereinbarte Termine im Reisebüro, telefonische Beratung oder via E-Mail. (bil/dje)