Bündner Regierung warnt vor SVP-Initiative
Die Bündner Regierung hat sich klar gegen die SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» ausgesprochen und vor schwerwiegenden Folgen für den Kanton Graubünden gewarnt. Beispielsweise könne das kantonale Gesundheitswesen bei einer Annahme nicht aufrechterhalten werden. Die Vorlage kommt am 14. Juni vors Volk.
Graubünden ist schon heute überaltert. Dies wird sich gemäss geltenden Prognosen weiter verschärfen: In den nächsten 20 Jahren werden 50'000 Einwohnende pensioniert, aber nur 30'000 Junge rücken nach. Jede vierte Stelle kann 2040 nicht mehr besetzt werden.
Im Kanton arbeiten viele ausländische Fachkräfte – beispielsweise im Gesundheitswesen. Im Akutspital Val Müstair sind es 85 Prozent, wie der Gesundheitsdirektor Peter Peyer (SP) betonte. Im Center Sanitario Bregaglia sind es bei den Pflegefachkräften und den Physiotherapeuten gar 100 Prozent. Durchschnittlich seien es im ganzen Kanton rund 30 Prozent.
«Bei einer Annahme der Initiative könnte das kantonale Gesundheitswesen nicht aufrechterhalten werden. Da geht es nicht um Ideologie, das ist reine Mathematik», sagte Peyer am Dienstag vor den Medien in Chur.
Graubünden wäre doppelt betroffen
Und auch Regierungspräsident Martin Bühler (FDP) betonte die Wichtigkeit der Zuwanderung für den Bergkanton aus wirtschaftlicher Sicht. Die überdurchschnittliche Überalterung Graubündens zusammen mit dem steigenden Arbeitskräftebedarf seien schon Herausforderung genug. Ein Ja zur Initiative hätte schwerwiegende Konsequenzen, so Peyer.
Wirtschaftsdirektor Marcus Caduff (Mitte) zeigte auf, dass das vom Bundesamt für Statistik prognostizierte Bevölkerungswachstum von 15 Prozent bis 2055 für die Schweiz für Graubünden nicht gelte. «Hier wächst die Bevölkerung bis dahin um gerade mal um 3 Prozent».
Bei einer Annahme der SVP-Vorlage erwartet die Bündner Regierung eine noch höhere Abwanderung aus dem Kanton. Dies, weil dadurch der Kampf um ausländische Fachkräfte grösser würde und diese von Unternehmen im Unterland abgeworben werden dürften.