Bündner Gemeinden kämpfen unterschiedlich gegen Wohnungsnot
In zahlreichen Regionen Graubündens herrscht Wohnungsnot. Die Leerwohnungsziffer liegt kantonsweit bei 0,6 Prozent. Keystone-SDA zeigt anhand von fünf Beispielen, wie die Gemeinden die Wohnungsnot bekämpfen wollen – teilweise auch auf Kosten der Zweitwohnungsbesitzer.
Im Immobilienmonitoring der Graubündner Kantonalbank (GKB) mit Stand Frühling 2026 kommt die Bank zu einem klaren Schluss: «Die sehr tiefen Leerstände zeigen, dass Wohnraum in Graubünden ein knappes Gut bleibt. Eine Entspannung ist kurzfristig kaum absehbar, da neue Projekte durch fehlendes Bauland, hohe Baukosten und raumplanerische Vorgaben gebremst werden», lässt sich Jon Fadri Pitsch, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Märkte bei der GKB, in einer Mitteilung vom Juni zitieren.
Verschiedene Gemeinden reagieren mit Massnahmen auf die teilweise seit Jahren bestehende Wohnungsnot.
Das aktuellste Beispiel ist die Gemeinde Davos. Die Davoser Regierung hat am Donnerstag die Teilrevision zum Zweitwohnungsgesetz verabschiedet. Sie will mit den Änderungen die Umnutzung von Wohnflächen in Zweitwohnungen erschweren. Sie macht als eine der Ursachen für die sehr tiefe Leerstandsziffer nämlich aus, dass von Einheimischen genutzte Wohnungen abgerissen und nach dem Neubau als Zweitwohnungen verkauft würden. So würden jährlich über 50 Erstwohnungen verloren gehen.
Schutzklausel soll Abhilfe schaffen
Sie will deshalb als ein Kompromiss zu einer Erstwohnungsinitiative eine Schutzklausel für Gebäude mit mindestens vier Wohnungen schaffen. Bei grösseren Änderungen müsste mit einer Gesetzesrevision die Hälfte der Wohnfläche weiterhin Erstwohnraum bleiben. Wer eine Ersatzabgabe zahlt, darf nochmals 25 Prozent der Fläche in Zweitwohnungen umwandeln. Die Mittel aus dieser Ersatzabgabe sollen wiederum in die Förderung von bezahlbarem Erstwohnraum fliessen. Das Gesetz kommt nun am 20. August ins Davoser Parlament und müsste später vom Volk genehmigt werden.
Auch die Nachbargemeinde Klosters schaut genauer hin. Sie hat im laufenden Jahr die Überwachungen von Erstwohnungen intensiviert. «Ziel der Kontrollen ist es, sicherzustellen, dass dieser Wohnraum der einheimischen Bevölkerung erhalten bleibt und nicht illegal als Zweitwohnung genutzt wird.» Denn genau das geschieht gemäss einer Gemeindemitteilung vom März regelmässig: «Erfahrungen zeigen, dass bei Kontrollen in Mehrfamilienhäusern teilweise bis zu 40 Prozent der Erstwohnungen Unregelmässigkeiten aufweisen.»