Brennpunkt neues Regelwerk
Fehlender Fahrspass, erhöhtes Unfallrisiko. Die Kritik an der neuen Formel 1 ist laut. Jetzt beraten die Macher der Rennserie über Änderungen. Was dafür spricht – und was dagegen.
In der Formel 1 wollen sie in der hitzigen Debatte um schnelle Reparaturen am neuen Regelwerk Nägel mit Köpfen machen. Technikchefs der Teams und Vertreter der Motorenbauer beraten mit den Spitzen des Internationalen Automobilverbandes FIA und der Rennserie über mögliche Änderungen, um die anhaltende Kritik aus dem Fahrerlager zu dämpfen. «Es schmerzt die Seele», hatte Weltmeister Lando Norris zuletzt über die verlorene Vollgas-Lust und den steten Zwang zum Batterie-Management mit der neuen Motoren-Generation geklagt.
Die durch die Absage der Grands Prix von Bahrain und Saudi-Arabien unerwartet lange Pause bis zum nächsten Rennen von Anfang Mai in Miami schafft den Machern der Formel 1 Platz für Gespräche. Doch in der Frage, ob an der seit Jahresbeginn greifenden Regel-Revolution schon wieder geschraubt werden soll, besteht keinesfalls Einigkeit.
Was für Regel-Änderungen spricht
Wütende Fahrer: Nach jedem der bisherigen drei Grand-Prix-Wochenenden wetterten zahlreiche Fahrer über die neue Formel 1. Charles Leclerc höhnte über Rennmanöver wie im Videospiel «Mario Kart», weil der Tempo-Schub per Knopfdruck dank des höheren Elektro-Anteils im Antrieb so enorm ist. Fernando Alonso verwies darauf, dass es wegen der Notwendigkeit des Batterieladens in einstigen Mutkurven gar nicht mehr möglich ist, ans Limit zu gehen. Vor allem in der Qualifikation vermissen viele Fahrer die absolute Herausforderung, die die Jagd auf die schnellste Runde in der Vergangenheit versprochen hat.
Drohender Superstar: Die lautesten Proteste kamen zuletzt vom vierfachen Weltmeister Max Verstappen. Ziemlich unverhohlen drohte der Niederländer sogar mit einem vorzeitigen Ausstieg aus der Rennserie. «Lohnt sich das? Oder geniesse ich es mehr, zuhause bei meiner Familie zu sein? Meine Freunde öfter zu sehen, wenn man keinen Spass am Sport hat?», warf Verstappen vor Beginn der fünfwöchigen Rennpause in einem BBC-Interview ein. Wächst der Frust weiter, könnte Verstappen dank einer Klausel spätestens am Ende der laufenden Saison aus seinem noch bis 2028 laufenden Vertrag beim Team Red Bull aussteigen.