Mehr als ein Augenblick für einen Augenblick
Ob das Kameraauge einfach fest auf den Zieleinlauf gerichtet ist. Ob es die spektakulären Abfahrten oder die kräftezehrenden Aufstiege einfängt. Ob es vom Lenker einer Athletin aus auf das Hinterrad der Vorderfrau schaut oder ob es von oben auf die Fahrer blickt: Im Hintergrund solcher Augenblicke steht immer eine minutiöse Vorbereitung und ein ganz grosser Einsatz an Mensch und Material. «Wir waren da draussen mit 18 Kameras unterwegs», erzählt Raffael Huber, Produzent und Projektleiter für «Live Motion». Das junge Unternehmen ist innerhalb der ÖKK-Rennserie für die bewegten Bilder zuständig. Für Huber begann der Anlass schon Wochen vorher, als er sich das Gelände ein erstes Mal anschaute. Dabei entschied er, welche Kamera, wo eingesetzt wird, schrieb anschliessend ein Konzept und erstellte die Packliste des benötigten Materials. Am Donnerstag vor dem Rennwochenende kam er mit vier Leuten nach Davos, um die Infrastruktur aufzubauen. Kameras wurden platziert, Kabel gelegt, Strom- und Internetverbindungen hergestellt und getestet. «In Davos sind die Voraussetzungen gut», lobt Huber. «Das lokale OK baute die Kamerapodeste und räumte einen eventuell störenden Ast aus dem Weg.» Dank der in den Lichtmasten integrierten Glasfaserkabel hätten sie für die Bildübermittlung nur wenige Kabel – es sind dennoch etwa zwei Kilometer – verlegen müssen, fährt er fort. Das ist wichtig, weil am Renntag die Bilder live an verschiedene TV-Stationen gesendet und im Internet gestreamt wurden.
Langwierige Vorbereitung
Am Freitag schloss sich der Regisseur dem Team an und rekognoszierte die Strecke. Dort gab es fest installierte Kameras, die einfach einen bestimmten Winkel einfingen oder manuell bedient wurden. Die Spezialität der aus dem OL-Spitzensport stammenden «Live Motion»-Macher und ihrer Leute sind jedoch bewegliche Kameras. «Wir haben Kameraleute, die es schaffen, mit den Athleten mitzusprinten und ihnen so besonders nahezukommen.» Andere Kameras sind an den Lenkern der Rennfahrenden befestigt und zeigen das Geschehen aus deren Sicht. «Hier in Davos waren das die Botschafterin der Destination, Sina Frei, und Weltmeister Nino Schurter.» Darüber, wer die Kamera erhält, entscheidet auch das Material. «An Nino Schurters Lenker zum Beispiel sind die Kameras nur sehr schwierig zu befestigen», beschreibt Huber. Während der Rennen waren auch mehrere Video-Drohnen in der Luft, eine davon flog streckenweise sehr nahe mit den Fahrern mit. «Deren Pilot ist mit einer Videobrille ausgerüstet und nimmt nur sein virtuelles Bild war. Darum muss er immer von einer Person begleitet werden, die ihm das Umfeld schildert. Nur so kann er sich rechtzeitig auf das sich nähernde Feld einstellen.» Eine weitere Kamera fuhr auf einem die Athleten begleitenden E-Bike mit. Bezüglich Technik bedeuten diese beweglichen Kameras jeweils eine besondere Herausforderung. «Die ganze dazugehörige Ausrüstung von den Akkus über die Übermittlungstechnik bis zu den vielen Speicherkarten muss alles im Rucksack mitgetragen werden.»