«Der Brunnen ist leer!»
Dort wuchsen sie seither zu Sömmerlingen heran. Nun sind sie so weit, in die Freiheit entlassen zu werden. Dort sollen sie weiter an Länge und Gewicht zunehmen. Irgendwann, so ist die Hoffnung, haben sie das vorgeschriebene Fangmass erreicht und können geangelt werden.
Regenbogen-Forellen
Doch soweit sind die jungen Regenbogen- und Bach-Forellen noch lange nicht. Die Ersteren wurden vor rund 150 Jahren von Nordamerika nach Europa eingeführt und hier ausgesetzt. Sie werden auch im grossen Stil gezüchtet und im Handel angeboten. Sie sind jedoch kein Teil der hiesigen Lebensgemeinschaften und dürfen inzwischen nur noch in Seen gebracht werden, die keine natürliche Verbindung zum allgemeinen Gewässersystem haben. Der Davosersee ist ein gutes Beispiel dafür.
Bachforellen
Im Landwasser und seinen Zuflüssen wird die einheimische Bach-Forelle ausgesetzt. Stützbesatz nennt sich das, denn vielerorts finden die Tiere keine Möglichkeit mehr, sich natürlich zu vermehren, und dennoch soll ein der Fischerei genügender Bestand vorhanden sein. So wurden die Eltern der Jungtiere im vergangenen Herbst in einer Schonstrecke im Landwasser gefangen. In der Fischzuchtanstalt in Klosters wurden ihnen Eier und Samen entnommen und die befruchteten Eier ausgebrütet. Die Elterntiere wurden bei der Prozedur nicht geschädigt und wieder an den Fangort zurückgebracht.
Acht bis neun Gramm
An diesem Morgen geht es darum, die vier kreisrunden Aufzuchtbecken – Brunnen genannt – zu leeren, kein Fischlein darf darin zurückbleiben. Dafür sind die Freiwilligen vom Fischereiverein hier, verstärkt durch zwei Jagdaspiranten, die Hegestunden ableisten. Beim Transfer von den Becken in die Freiheit ist es wichtig, die Tiere so wenig Stress wie möglich auszusetzen. Soweit das bei einem fünfmaligen Umsetzen überhaupt möglich ist. Aus den Brunnen werden sie per Käscher gefischt oder aber im auslaufenden Wasser gefangen. Dann werden sie in ein mit einer definierten Menge Wasser gefülltes Behältnis gegeben und gewogen. So wird die Zahl der Fische ermittelt. Denn zuvor war das Gewicht von jeweils hundert von ihnen festgestellt worden. Ein einzelnes davon wiegt etwa acht bis neun Gramm. Anschliessend haben die Fischlein einen Moment Pause. In grossen, stark durchströmten Netzen dürfen sie durchatmen und warten auf den nächsten Schritt: Das Verladen in die Transportcontainer, mit denen sie an ihren jeweiligen Bestimmungsort gefahren werden, um dort ausgesetzt zu werden.
Nur noch die Schafe
In konzentrierte Zusammenarbeit nehmen sich die Mannen und Frauen vom Fischereiverein ein Becken ums andere vor und melden anschliessend: «Der Brunnen ist leer.» Nun wird noch gereinigt und bis zur nächsten Saison liegt der das Becken trocken. Bald schon ist der letzte Fisch unterwegs in sein neues Leben und die Gerätschaften weggeräumt. Zurück bleiben einzig die Schafe, die sich durch das Gras auf dem Areal futtern.