«Bin nicht mehr bereit, mein Leben zu riskieren»
Überraschend gibt Niels Hintermann in Courchevel das Ende seiner Profikarriere bekannt. Der Zürcher sagt, dass er nach überstandener Krebserkrankung nicht mehr bereit sei, sein Leben zu riskieren.
Kurzfristig entscheidet sich Niels Hintermann am Freitag, die Abfahrt in Courchevel auszulassen. Der Grund dafür sei ein einfacher, erklärt der 30-Jährige danach gegenüber SRF: «Ich bin fertig mit Skifahren. Ich bin nicht mehr bereit, mein Leben so zu riskieren, wie ich es müsste.»
Gerade in der Abfahrt, wo die Athleten oft mit Geschwindigkeiten von über 100 km/h unterwegs sind, braucht es neben der physischen Stärke auch die mentale Komponente. Nicht erst an diesem Tag habe er gemerkt, dass es ihm zunehmend schwerfalle, «mit Vollgas» aus dem Starthaus zu kommen. «Und wenn man nicht Vollgas gibt, wird es schnell gefährlich», so Hintermann. «Ich will zu meinen eigenen Bedingungen aufhören und nicht plötzlich in einem Netz zappeln.»
Die Gefahren der Speed-Disziplinen sind im Weltcup immer wieder sichtbar. In den vergangenen Jahren sorgten schwere Stürze von Spitzenfahrern wie Aleksander Kilde oder Cyprien Sarrazin für Aufsehen und verdeutlichten, wie hoch das Risiko in der Abfahrt ist.
Panikattacken im Starthaus
Der Entscheid sei über die letzten Wochen gereift. Vor allem Ende Februar in Garmisch habe er gemerkt, dass er zunehmend mit Panikattacken im Starthaus kämpfe. Dabei habe sein ganzer Körper gezittert und er habe Szenarien im Kopf gehabt, «die man definitiv nicht im Kopf haben möchte». Teilweise sei es ihm noch gelungen, diese auszublenden, doch dann seien sie mit voller Wucht zurückgekommen. Deshalb verzichtete er bereits in Garmisch auf den Start.
«Wir haben in den letzten Tagen unter anderem mit Hypnose nochmals alles probiert», erklärt Hintermann. Zunächst habe er sich auch gut gefühlt. Am Morgen des Rennens habe er dann aber gemerkt, dass es definitiv nicht mehr gehe. «Mein Körper und mein Kopf sagten beide: nein.»