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Schweiz & Welt

Davos in der digitalen Welt verankern

Barbara Gassler
14.10.2023, 07:00 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

Ende September fand in Hongkong eine dreitägige Konferenz des «Davos Digital Transformation Symposiums, Honkong Chapter» statt. Sozusagen als Aufgalopp zur Hauptveranstaltung, die in Davos stattfinden wird. Davos und der Kanton Graubünden wurden dabei von der Leiterin Regionalentwicklung Davos/Prättigau, Valérie Favre Accola, und der Geschäftsführerin Academia Raetica, Bar-bara Haller Rupf, vertreten.

Bereits fünf Jahre ist es her, dass das«Davos Digital Trade Symposium» lanciert wurde, das sich als Plattform für Vernetzung, Austausch, Zusammenarbeit und Innovation in digitaler Wirtschaft, Bartering und Blockchain verstand. Inzwischen ist daraus das «Davos Digital Transformation Symposium» (DDTS) entstanden, das einerseits den Namen Davos in die Welt trägt und natürlich seitens Davoser und Bündner Vertreter für das Standortmarketing genutzt wird. «Unsere Aufgabe war es, Davos und Graubünden als attraktiven Innovationsstandort, aber auch als Kongress- und Tourismusort bekannt zu machen», erklärt Favre Accola. Das Interesse der Kongressteilnehmenden sei sehr gross gewesen, die auf Papier und Datenträgern vorhandenen Information zu Davos seien ihnen regelrecht aus der Hand gerissen worden, berichtet sie weiter. «Bereits nach dem ersten Tag mussten wir anfangen, einzuteilen, um zumindest unsere wichtigsten Partner noch versorgen zu können.»

Heimlicher Star

Doch was macht Davos so attraktiv für Unternehmer und Technologieleader? «Unerkannt von den meisten Einheimischen hat sich Davos in den letzten Jahren zu einem ‹Silicon Valley› von Graubünden gemausert», erklärt Favre Accola. «Es ist eindrücklich, was sich in unserer eindrücklichen alpinen Landschaft alles tut.» Dabei sei die Dichte der hier ansässigen Institute der entscheidende Faktor. «Wenn ich erzähle, welche Institute und Labors bei uns forschen und entwickeln, ist das Erstaunen jeweils gross.» Aus Hongkonger und internationaler Sicht ist es beeindruckend, was in einer kleinen Stadt mit nur gerade 12 000 Einwohnenden alles geleistet werde. «Dieses Innovations-Netzwerk zieht wiederum neue Partner an.» Umgekehrt brauche die ­Forschung zunehmend Möglichkeiten, die von ihnen gesammelten Erkenntnisse sowie Daten sichtbar und für weiteren Nutzen anwendbar zu machen. «Daraus ergeben sich dann wiederum Innovationen.» Ein solches Beispiel ist die Firma Alpine AI. Sie ist aus dem in Davos ansässigen Lab42 hervorgegangen und will «Large Language Models» – darauf beruht zum Beispiel «ChatGPT» – auf eine datensichere Weise anbieten, nämlich als «Swiss GPT». Oder etwa der PMOD/WRC-Spin-off Davos Instruments. Wo ursprünglich lediglich die vom WRC (World Radiaton Center) verwendeten Pyrheliometer weiterentwickelt und vertrieben wurden, gibt es inzwischen eine Forschungszusammen-arbeit mit dem SLF, wo gemeinsam an einem Prototypen eines «Snow Imagers» zur Charakterisierung von Schneeschichten gearbeitet wird. «Wenn ich dann noch erwähne, dass zwei von zehn Instrumenten, die zurzeit mit dem aktuellsten Sonnenerkundungs-Satelliten Solar Orbiter um die Sonne kreisen, in Davos entwickelt und gebaut wurden, ist die Begeisterung gross», berichtet Favre Accola. Das könne sie auch daraus ablesen, dass sie im Anschluss an ihre Präsentationen immer wieder für weitere Referate eingeladen werde.

Herausforderungen diskutieren und Chancen packen

«Der digitale Wandel bietet Chancen, und es lohnt sich, sich dazu branchenübergreifend und international aus­zutauschen», erklärt Favre Accola. Doch worum geht es dabei eigentlich? «In Hongkong nahm ich Einsitz in einer Diskussionsrunde, die sich mit der zunehmenden Rechenschaftspflicht bezüglich Umweltverträglichkeit, sozialer Verantwortung und Gesetzeskonformität, sogenanntes ‹ESG-Reporting›, beschäftigte.» Es sei diskutiert worden, inwiefern zum Beispiel technologiebasiertes Reporting zur Nachhaltigkeit beitragen könne. «Richtig eingesetzt, kann solches Reporting mehr als nur eine lästige Dokumentationspflicht erledigen. Die über den gesamten Geschäftsbereich laufend gesammelten und ständig verfügbaren Zahlen können Investitionsentscheide unterstützen. Auf der anderen Seite könnte damit eine Produktion effizienter gesteuert und Ausschuss verringert werden», sagt die Regionalentwicklerin. «Zudem gilt es natürlich auch gegenüber Investoren, Kunden, Partnern und Regie-rungen transparent, zu kommunizieren.» Für kleine Unternehmen, denen die notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen fehlen, bleibe das jedoch eine riesige Herausforderung. Solche Chancen und Risiken, aber auch Fragen, wie die digitale Transformation Bereiche wie ­Finanzen, Gesundheit, Landwirtschaft und viele mehr beeinflussen, würden am DDTS diskutiert.

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