Berüchtigtes al-Hol-Lager soll geschlossen werden
Das berüchtigte al-Hol-Lager im Nordosten Syriens für Familienangehörige der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) soll geschlossen werden. Die Regierung hat nach eigenen Angaben damit begonnen, verbliebene Bewohner in ein anderes Lager in der Provinz Aleppo im Norden des Landes zu verlegen.
Nach Angaben der zuständigen Nichtregierungsorganisation SSU wurden seit Dienstag rund 700 Menschen verlegt. SSU hatte bereits zuvor Familien bei der Umsiedlung geholfen und unterstützt die Regierung bei den aktuellen Verlegungen. Nach SSU-Angaben zielen die Verlegungen auf die Schliessung des Lagers ab. Ziel sei es zudem, Entlassene in die Gesellschaft zu reintegrieren.
Aus Regierungskreisen hiess es, die Verlegungen seien am Dienstag gestartet. Sie sollten innerhalb einer Woche abgeschlossen werden.
Hunderte bis Tausende Menschen konnten fliehen
Die syrische Übergangsregierung hatte Anfang des Jahres eine Offensive im Norden und Nordosten des Landes gestartet, um auch die davor kurdisch geführten Gebiete Syriens zu kontrollieren. Davor stand al-Hol, das grösste Lager für Angehörige von IS-Mitgliedern, unter kurdischer Kontrolle. Das Lager ist offiziell kein Gefängnis, wird von Bewohnern aber oft als ein solches beschrieben. Freiwillige Ausreisen waren nicht möglich.
Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte konnten im Zuge der Übernahme des Lagers durch Kräfte der Übergangsregierung Tausende Menschen fliehen. Einige seien auf eigene Faust entkommen, anderen seien von mit der Regierung verbündeten Milizen bei der Flucht unterstützt worden, sagte Direktor Rami Abdel-Rahman der Deutschen Presse-Agentur. In den vergangenen Wochen sollen zudem Angehörige der Bewohner und Schmuggler den Menschen bei der Flucht geholfen haben. Auch die Beobachtungsstelle bestätigte, dass das Lager geschlossen werden soll.