Bellinghams Finesse stimmt Trainer Tuchel nur bedingt zufrieden
Ein Kamerakabel, eine Doublette und ein Mahnfinger: Englands WM-Traum lebt. Was Matchwinner Jude Bellingham sagt und Trainer Thomas Tuchel trotz Halbfinal-Einzug bemängelt.
Mama Bellingham lag ihrem Sohn Jude schon die ganze Woche lang in den Ohren. «Pass auf, was du sagst. Pass bei den Grätschen auf. Achte auf deine Emotionen», sagte Englands Matchwinner über die Tipps von Denise Bellingham. Ihr Sohn sollte im WM-Viertelfinal gegen Norwegen auf keinen Fall seine zweite Gelbe Karte und damit eine Sperre kassieren.
Bellingham gehorchte. Er traf doppelt und schoss England beim 2:1-Sieg in einem kampfbetonten, von Hitze und einem Kamerakabel geprägten Spiel nach Verlängerung weiter. Die englischen Fans in Miami lagen sich beim Hit «Hey Jude» in den Armen, die verbliebenen Beatles-Mitglieder höchstselbst feierten den Helden der «Three Lions» via Instagram.
Alles fiebert nun auf den Halbfinal gegen den Titelverteidiger Argentinien in Atlanta hin. Zwei Siege fehlen den Engländern noch zum zweiten WM-Titel nach 1966. Die gute Nachricht: Bellingham darf sich da eine Gelbe Karte leisten, nach den Viertelfinals werden gemäss den Regeln alle Verwarnungen gelöscht.
Nicht in den kühnsten Träumen
Bellinghams Selbstvertrauen ist alles andere als klein, doch was an diesem schwülen Abend unweit der Everglades geschah, war selbst für den 23-Jährigen schwer zu begreifen. «Das übertrifft meine kühnsten Träume», sagte Bellingham. «Ich meine, du gehst ja nicht abends ins Bett und träumst von solchen Spielen.»
Und doch war da viel Reales und auch Surreales vor den Augen von Sir David Beckham im Footballstadion der Miami Dolphins zu sehen. Zum Beispiel eine Szene vor Bellinghams Ausgleichstreffer. Nach dem Abstoss von Norwegens Torwart Örjan Nyland wurde der Ball von einem gespannten Kamerakabel in der Luft gestoppt, fiel wie ein Stein herunter und gelangte vor die Füsse von Anthony Gordon – der daraufhin das Tor einleitete.