Belgiens Häme nach der Demonstration gegen die USA
Auf die Polit-Farce um Folarin Balogun folgt für die USA das WM-Aus. Belgien deklassiert den Gastgeber mit 4:1. Ein hämischer Social-Media-Post der Belgier krönt den schwarzen Tag für das Weisse Haus.
Es ist ein paar Minuten vor 16 Uhr Ortszeit, als in Seattle eine Information durchsickert, die allenthalben für Kopfschütteln, mancherorts Empörung, vielerorts aber für Unverständnis sorgt. Der US-Verband und die FIFA geben bekannt, dass Folarin Balogun im Achtelfinal gegen Belgien in der Startaufstellung stehen wird. Klar, könnte man meinen. Warum sollte Trainer Mauricio Pochettino in einem K.o.-Spiel auch auf seinen besten Torschützen verzichten?
Wäre da nicht die Sperre, die der 25-Jährige aufgrund einer direkten Roten Karte im Sechzehntelfinal gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) absitzen müsste. Wäre da nicht US-Präsident Donald Trump, der bei FIFA-Präsident Gianni Infantino höchstpersönlich anrief und ihn ersuchte, den Entscheid zu überdenken. Und wäre da nicht eine globale Kontroverse, die vorab die Integrität des Fussball-Weltverbandes und dessen oberstem Angestellten grundlegend in Frage stellt.
Die Erinnerung an 1962
Viele äusserten sich in den letzten Tagen zu Infantinos eigenwilliger Interpretation von Fairness. Der designierte deutsche Bundestrainer Jürgen Klopp etwa, der dezidiert gegen Trump und Infantino Stellung bezog. Auch der Schweizer Fussballverband bekundete in einer offiziellen Mitteilung sein Unverständnis. Und vorab in deutschen Medien wurde darüber spekuliert, wer bei der Wahl des FIFA-Präsidenten als Gegenkandidat zu Infantino installiert werden könnte. Denn, so der Tenor, so eine Affäre dürfe der Walliser nicht in seinem Amt überleben.
Hinter den Kulissen hatte das Weisse Haus zuvor eine beispiellose Maschinerie in Gang gesetzt. Unmittelbar nach Baloguns Tritt gegen den bosnischen Verteidiger Tarik Muharemovic aktivierte Andrew Giuliani, Direktor der hauseigenen WM-Taskforce, den US-Präsidenten. Zusammen mit Handelsminister Howard Lutnick und Vertretern von U.S. Soccer wurde ein Plan geschmiedet, um die automatische Spielsperre gemäss Artikel 10.5 des FIFA-Reglements auszuhebeln. Die Taskforce durchleuchtete sogar die Historie des brasilianischen Schiedsrichters Raphael Claus nach früheren Fehlentscheiden. Trump griff schliesslich selbst zum Hörer. Und bat seinen «great friend Gianni», doch noch einmal nachzudenken.