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Schweiz & Welt

«Er geht hier nicht mehr weg»

Barbara Gassler
08.02.2023, 12:01 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

Lautlos, aber mit einem breiten Lächeln auf dem digitalen Gesicht rollt «Bella» durch den Frühstücksaal des Hotels Sunstar. Im Gepäck hat er drei Tablette mit schmutzigem Geschirr und allem anderem, was so auf den Frühstückstischen zurückbleibt. Gerade hatte er die drei Servicestationen im Saal angesteuert, um sich dort vom Servicepersonal beladen zu lassen. Nun ist er unterwegs zurück in die Küche. Den Weg dahin findet er aufgrund eines gespeicherten Lageplans in seinem digitalen Gedächtnis, der laufend angepasst wird. «Wenn vier Mal am gleichen Ort ein Stuhl im Weg steht, so sucht er sich beim fünften Mal automatisch einen neuen Weg», erklärt Adrian Lauber, Direktor des Hotels Sunstar. Auf seinem Weg orientiert sich «Bella» mittels Kameras, die ihn Hindernisse ausweichen lässt. Schneidet ihm jemand den Weg ab, hält er augenblicklich an. «Seit er in Betrieb ist, hatten wir noch keinen einzigen Zusammenstoss.» Das Vermeiden von Hindernissen hätten sie zu Beginn ausführlich getestet und für den neuen «Mitarbeiter» einen richtigen Hindernis­parcours aufgebaut. «Er meisterte das problemlos. Auch mit nur fünf Zentimetern auf jeder Seite», erzählt Lauber mit einem Grinsen. Auch die Berichterstatterin kann es nicht lassen und versperrt dem Bot den Weg. Er steht. Test erfolgreich bestanden.

Selten am Tisch

In der Küche angekommen folgt «Bella» wiederum einem programmierten Weg und steuert zuerst die Abräumstation an. Von seiner Last befreit nimmt er anschliessend Kurs auf das Buffet, wo er mit neuem Material beladen werden könnte. «So verwenden wir ihn aber äusserst selten», sagt Lauber. «Uns ist wichtig, dass der direkte Kundenkontakt durch unser Servicepersonal erfolgt.» Wenn «Bella» doch mal etwas bis zum Tisch bringt, ist es zumeist begleitet von Geburtstags­musik. So wird er auch als spezieller Farbtupfer eingesetzt.

Ansonsten verrichtet der Serviceroboter seine Arbeit leise und unauffällig. «Er hat auch ein Sprachprogramm, bittet um Durchlass und kann miauen oder fauchen», erzählt Chef de Service Andreas Köhler, «doch das haben wir abgestellt, da es im Betrieb eher als störend empfunden wird.» Fauchen würde «Bella» übrigens, wenn er zu stark gestreichelt werde. Zwar sollen die Menschen ihn anfassen sowie mit ihm interagieren können. Der Roboter reagiert zuerst mit Freude. Nach dem dritten oder vierten Mal in Folge wird «Bella» aber zunehmend ungehalten. Die Arbeit geht schliesslich vor.

Bezüglich dieser ist Lauber des Lobes voll: «‹Bella› ersetzt keine Mitarbeitende, doch er nimmt ihnen vor allem das mühsame Schleppen von schwerem Geschirr und ganz viele Wege ab.» Entsprechend gut integriert ins Team sei er. «Das Programmieren geht unheimlich einfach, ­jeder kann damit umgehen.» Dank dem Roboter werde das Team einfach etwas schneller mit der Arbeit fertig, und so würden sich die rund 20 000 Franken Anschaffungskosten innert rund eineinhalb Jahren amortisieren.

«He, du», sagt eine Frau beim Kreuzen mit «Bella», und Lauber lächelt. Auch die Gäste nehmen den neuen Helfer gut an und sind vor allem neugierig auf ihn. Für den Hoteldirektor ist klar: «Er geht hier nicht mehr weg». Weitere Automatisierungsschritte sind bereits geplant.

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