Ausbau der St. Galler Fernwärme mit Hürden
Im Kanton St. Gallen soll über die Nutzung von Abwärme der CO2-Ausstoss von Heizungen reduziert werden. Die Grünen zweifeln, dass die bisherigen Anstrengungen ausreichen. Ein Beispiel aus Gossau zeigt, dass die wirtschaftlichen Hürden für solche Projekte hoch sein können.
«Der Kanton St. Gallen fördert die Nutzung von Abwärme mit Wärmenetzen.» So steht es im Energiekonzept für die Jahre bis 2030. Mit der Abwärme aus Industrie- und Gewerbebetrieben oder auch von Kehrichtverbrennungsanlagen sollen in den Haushalten Öl- und Gasheizungen ersetzt werden.
Mittlerweile gebe es im Kanton rund 60 Fernwärmenetze, etwa 20 Prozent aller Heizsysteme nutzten Fernwärme, heisst es in der Ende 2025 veröffentlichten Überprüfung des St. Galler Energiekonzepts durch das Zürcher Büro Econcept AG.
In ihrem dazugehörigen Bericht kündigte die Regierung an, die Bemühungen zur Nutzung der Abwärme zu intensivieren. Sie setzt dabei auf die Vernetzung von Quartieren und Arealen, die zu «Energiegemeinschaften» zusammenwachsen sollen. Dabei wird auch an die Nutzung der Wärme von Computern, Servern oder sonstigen Geräten gedacht.
Zweifel der Grünen
Engagiert sich der Kanton ausreichend? Zweifel haben die Grünen. In der Praxis zeige es sich, dass das vorhandene Abwärmepotenzial bisher nur ungenügend genutzt werde, schrieben sie in einem Vorstoss.
Die Abwärme in Wirtschaftsbetrieben werde heute häufig über Abluftanlagen abgeführt oder in Gewässer eingeleitet. Teilweise müssten Anlagen sogar mit zusätzlicher elektrischer Energie gekühlt werden. Die Regierung soll nun erklären, ob die «rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen» zur Förderung der Nutzung von Abwärme angepasst werden müssen. Die Antwort steht noch aus.
Frage der Wirtschaftlichkeit
Ein aktuelles Beispiel zeigt, dass bei solchen Projekten die Wirtschaftlichkeit entscheidend ist. In der Stadt Gossau musste deswegen ein grösseres Vorhaben gestoppt werden. Am Wärmeverbund Mettendorf waren die Stadtwerke Gossau sowie die St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke AG (SAK) beteiligt. Zusammen planten sie eine Wärmeleitung aus dem Gossauer Industriegebiet in das Wohnquartier Mettendorf. Jährlich sollte Wärme von 10,8 Gigawattstunden geliefert werden.