Auch Tuchel erlöst England nicht
England scheitert erneut kurz vor dem Ziel: Trotz einer Führung reicht es nicht für den WM-Final. Trainer Thomas Tuchel steht nach dem Aus in der Kritik. Er soll aber bleiben.
Harry Kane stand regungslos am Mittelkreis, die Hände in die Hüften gestützt. Sein Blick stur auf die andere Seite des Platzes gerichtet, wo sich Lionel Messi und dessen argentinische Teamkollegen für den Einzug in den WM-Final feiern liessen.
Die von Captain Kane angeführten Engländer waren nah dran am ersten Final seit dem Triumph 1966. Bis zur 85. Minute führten sie durch den Treffer von Anthony Gordon – und fielen dann völlig auseinander. «Wir spielen eine Stunde so gut und führen verdient. Aus irgendeinem Grund verlieren wir dann das Momentum. Das zieht sich nun schon durch die letzten vier, fünf Turniere», sagte Kane konsterniert.
Das Warten geht weiter
Enzo Fernandez und Lautaro Martinez stürzten England durch ihre von Lionel Messi vorbereiteten Tore in eine Schockstarre. «Je schöner die Reise, desto herzzerreissender ist das Ende», resümierte Jude Bellingham.
Nun gerät aber erst einmal Trainer Thomas Tuchel in die Schusslinie der englischen Öffentlichkeit. Auf dem Papier ist er nicht besser als sein Vorgänger Gareth Southgate, der 2018 im Halbfinal in der Verlängerung an Kroatien gescheitert war.
Ex-Stürmer Chris Sutton nannte Tuchels Entscheid, nach der Führung in der Defensive von einer Vierer- auf eine Fünferkette umzustellen eine «Coaching-Katastrophe» und warf die Frage auf, ob der Deutsche noch der richtige Mann für den Job sei. Der «Mirror» polterte: «Tuchels Wechsel gehen nach hinten los.»
Tuchel will weitermachen
Tuchel selbst nahm das alles äusserlich gelassen zur Kenntnis. «Es ist die Natur des Spiels. Sobald man verliert, wird man kritisiert», sagte der 52-Jährige. «Keiner weiss, was bei anderen Entscheidungen passiert wäre. Es hat keinen Sinn, sich da zu beteiligen.»