Auch Neubauten haben Energiesparpotenzial
von Bernhard Bircher-Suits, Geschäftsleiter der FundCom AG
Geht es nach dem Bundesrat, soll die Schweiz ab 2050 unter dem Strich keine klimaschädlichen Treibhausgasemissionen mehr ausstossen. Doch wo ansetzen, um dieses Ziel zu erreichen?
Gebäude sind gemäss dem Bundesamt für Energie für fast einen Drittel des Schweizer CO2-Ausstosses verantwortlich. Neben dem Konsum und der Mobilität gilt es ebenso beim Bauen, Dämmen, Heizen und in der Stromproduktion, noch grössere Anstrengungen zu unternehmen, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Gemäss Energie Schweiz steht in rund 60 Prozent aller Wohngebäude noch eine Öl- oder Gasheizung.
Auch in Neubauten verpufft Energie
Eine Studie des wirtschaftlich und fachlich unabhängigen Beratungsunternehmens EBP zeigt nun: Auch in energetisch vorbildlichen Neubauten verpufft viel Wärmeenergie. Die EBP-Experten haben dabei sieben Studien zum Thema Wärmeverbrauch von Neubauten unter die Lupe genommen. Die Erkenntnis der Studie «Energie Performance Gap in Neubauten »: Der effektiv gemessene Wärmeverbrauch liegt bei neu erstellten Wohngebäuden im Schnitt rund 10 bis 20 Prozent höher als ursprünglich von Baufachleuten berechnet. Schon vor Baubeginn können Experten den Wärmebedarf eines Neubaus oder Sanierungsobjekts ermitteln. Die Fachleute prüfen dabei, ob die vom kantonalen Energiegesetz vorgesehenen Anforderungen erfüllt werden oder sogar ein Minergie-Standard erreicht werden kann. Sie stützen sich auf die SIA-Norm 380/1. Könnte man den Wärmebedarf dieser Gebäude nur um zehn Prozent senken, würde dies gemäss Minergie Schweiz rund 90 Prozent der Jahres Stromproduktion des Kernkraftwerks Gösgen entsprechen. Gemäss Studie wirken sich exzessives Lüften, das permanente Kippen von Fenstern sowie der falsche Einsatz des Sonnenschutzes im Winter und hohe Raumtemperaturen negativ auf den Gesamt-Wärmebedarf des Schweizer Gebäudeparks aus. EBP-Studienautorin Sabine Perch-Nielsen sagt: «Die SIA Berechnungsnormen gehen von 20 Grad Raumtemperatur aus. Studien zeigen aber, dass die gewünschten und effektiven Temperaturen eher bei 22 bis 23 Grad liegen.»