Argentiniens historische Chance, Tuchel im Kreuzfeuer
Argentinien ringt England im WM-Halbfinal nieder und greift nach der ersten Titelverteidigung seit 1962. Während Lionel Messi mit zwei Vorlagen glänzt, gerät Englands Thomas Tuchel in die Kritik.
Es gibt diese Momente im Fussball, in denen Taktiktafeln, Formationen und Matchpläne ihre Bedeutung verlieren. Wenn das nackte Überleben auf dem Rasen von purer Willenskraft und individueller Genialität diktiert wird. Der WM-Halbfinal zwischen England und Argentinien war genau ein solches Spiel. Ein Drama, das nicht nur die Comeback-Qualitäten des amtierenden Weltmeisters offenbarte, sondern auch zwei fundamentale fussballerische Wahrheiten dieser Ära in Stein meisselte: Lionel Messi ist der kompletteste Offensivspieler der Geschichte, und Englands Warten auf den zweiten Stern bleibt eine schier ewige, tragische Odyssee.
Die Kunst der Wiederauferstehung
Als Anthony Gordon die englische Nationalmannschaft in Führung brachte, schien der argentinische Traum von der Titelverteidigung akut in Gefahr. Trainer Thomas Tuchel hatte die «Three Lions» in ein engmaschiges Defensivkorsett gezwängt. Doch im Moment grösster Bedrängnis zeigte die «Albiceleste» ihr wahres Gesicht. Diese Mannschaft bricht nicht auseinander, sie wächst am Widerstand. Argentinien bewies eine bemerkenswerte mentale Resilienz.
Anstatt in Aktionismus zu verfallen, zogen die Südamerikaner die Schlinge um den englischen Strafraum unbarmherzig zu. Es ist diese Siegermentalität, die den Weltmeister von 2022 auch 2026 zum ultimativen Hindernis macht. Nun bietet sich Argentinien die historische Chance, als erstes Team seit dem legendären Brasilien von 1962 einen WM-Titel erfolgreich zu verteidigen.
Messis zwölfter Streich
Das Auge im Zentrum dieses argentinischen Sturms war einmal mehr Lionel Messi. Die Diskussionen um den 39-Jährigen drehen sich oft um seine Torgefahr – immerhin ist er Rekordtorschütze seines Landes. Doch Atlanta zeigte Messis womöglich noch grössere Gabe: seine unvergleichliche Qualität als Spielmacher. In der 85. Minute, als die Verzweiflung auf den Rängen wuchs, behielt er im Chaos die Übersicht, bediente Enzo Fernandez zum Ausgleich und bereitete schliesslich auch den späten Siegtreffer in der Nachspielzeit vor.