Argentinien zum sechsten und wohl letzten Mal mit Lionel Messi
Das lange kritisierte Wunderkind ist jetzt ein Anführer, die Ansammlung von Stars eine verschworene Einheit: Argentinien träumt zum Ende der Ära von Lionel Messi vom zweiten WM-Titel in Folge.
Die Bilder jener letzten gefährlichen Szene in der 123. Minute des WM-Finals 2022 zwischen Argentinien und Frankreich hätten zum Symbol werden können. Zum Symbol für Lionel Messi, den Unvollendeten. Ein hoher Ball hinter die Abwehrreihen, eine missglückte Aktion von Nicolas Otamendi, Randal Kolo Muanis einmalige Gelegenheit zum 4:3 für die Franzosen. Und Lionel Messi als Zuschauer am Mittelkreis. Wie er erstarrt, wie der Traum vom WM-Titel vor dem geistigen Auge ein weiteres Mal an der Realität zu zerschellen droht. Wie Messis Unvollkommenheit sich zementiert.
Doch es kam anders: Emiliano Martinez pariert den Abschluss, das Spiel geht ins Penaltyschiessen, die Argentinier holen den Titel – Messis Vollendung. «Das ist der Höhepunkt meiner Karriere. Das war die einzige Trophäe, die mir noch gefehlt hat, die wichtigste. Nach so vielen Anläufen hat es endlich geklappt», frohlockte Messi.
Rücktritt vor zehn Jahren
Die Vollendung ist aber noch nicht das Ende. Mit bald 39 Jahren ist Messi 2026 in den USA, Kanada und Mexiko noch einmal an einer WM-Endrunde dabei, zum sechsten Mal, befreit von jedem Druck. Nach Jahren der Enttäuschungen und Verkrampfung muss der achtfache Ballon-d'Or-Gewinner auch im Nationaltrikot nichts mehr beweisen. Die Aussicht, mit drei Toren auch noch zum erfolgreichsten WM-Torschützen zu werden? Eine Randnotiz.
Fast zwei Jahrzehnte lang lebte Messi mit einem Widerspruch. Für viele galt er als bester Fussballer seiner Generation, für manche als der beste aller Zeiten. Aber es fehlte das eine Bild, das ihn auf eine Stufe mit Diego Maradona stellte: das des Weltmeisters im hellblauen Trikot.
Vier verlorene Finals mit der Nationalmannschaft, darunter der WM-Final 2014 gegen Deutschland, machten aus dem Genie einen Getriebenen. Nach der Niederlage im Penaltyschiessen gegen Chile an der Copa America 2016 erklärte Messi desillusioniert seinen Rücktritt aus dem Nationalteam. «Für mich ist die Nationalmannschaft vorbei», erklärte er im Moment der Enttäuschung.