Bündner Ärztinnen und Ärzte schieben massive Überzeiten
Es ist ein offenes Geheimnis, dass Ärztinnen und Ärzte in der Woche extrem viele Stunden arbeiten. Laut einer Befragung des Verbands Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und –ärzte wird das Arbeitsgesetz in den Spitälern regelmässig missachtet. «Im Durchschnitt arbeiten Assistenz- und Oberärztinnen und –ärzte bei einem 100-Prozent-Pensum mehr als 56 Stunden pro Woche», heisst es in der Befragung. Immer häufiger würden sich die Ärztinnen und Ärzte deswegen müde, ausgelaugt und erschöpft fühlen. Was wiederum zu Fehlern führt, welche gerade im Gesundheitswesen gravierende Folgen haben können.
Auch hier im Kanton sind die teils massiven Überstunden der Ärztinnen und Ärzte ein Problem. So beispielsweise auch im Kantonsspital Graubünden (KSGR). Gemäss dem Chefarzt Chirurgie und ärztlichem Direktor am KSGR, Markus Furrer, ist die Situation hier besonders delikat. Denn der Tourismus verursache starke saisonale Schwankungen. «Es gibt grosse Peaks in der Wintersaison und mit dem Biken mittlerweile auch im Sommer», so Furrer. Und auch zu diesen Zeiten müsse das Spital im Stand sein, die Notfälle abzuarbeiten. Die Konsequenzen sind «logischerweise dann etwas mehr Überstunden», folgert Furrer. Diese könnten die Mitarbeitenden wann immer möglich kompensieren. «Nur bleiben die Stunden auf dem Überzeitkonto bestehen – egal ob sie kompensiert werden oder nicht.»
Arbeitsgesetz wird missachtet
Denn wer mehr als 50 Stunden in der Woche arbeitet, leistet Überzeit. Diese wird auf einem externen Überzeitkonto gesammelt und darf jährlich eine Grenze von 140 Stunden nicht überschreiten – unabhängig davon, ob sie kompensiert wird oder nicht. Gemäss dem Bundesgesetz über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel kann die Höchstarbeitszeit von 50 Stunden pro Woche nur unter bestimmten Voraussetzungen um bis zu vier Stunden verlängert werden. Zu diesen bestimmten Voraussetzungen zählen unter anderem die Dringlichkeit der Arbeit oder ein ausserordentlicher Arbeitsandrang sowie die Vermeidung oder Beseitigung von Betriebsstörungen. Alles Faktoren, die in einem Spitalalltag oft gegeben sein dürften.